Gesundheitsökonom: Impfen in Apotheken verhindert 41 Todesfälle

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Wiesbaden (pag) – Während sich Ärzteorganisationen gegen ein Influenza-Impfrecht für Apotheken wehren, meint der Wissenschaftler Prof. Uwe May, dass dadurch die Impfrate um zwölf Prozent gesteigert werden könnte.

Bei seiner Einschätzung stützt sich May, Gesundheitsökonom und Dekan an der Hochschule Fresenius in Wiesbaden, auf Statistiken aus dem Ausland, in dem die Grippeimpfung teilweise bereits in Apotheken praktiziert werde, berichtet die Hochschule: „In Irland ist dies seit 2011 möglich. Seitdem sind die Impfungen von 9.000 auf 78.000 im Jahr 2017 gestiegen. In Kanada stieg die Impfrate allein im ersten Jahr nach Einführung bei den über 65-Jährigen um knapp zehn Prozent sowie bei allen Patienten um 8,5 Prozent.“ Das Grippeimpfrecht in Apotheken ist Bestandteil des geplanten Gesetzes zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken.

May glaubt, dass durch die Regelung 41 Todesfälle, über 900.000 Grippeerkrankungen und rund 4.700 Krankenhausfälle im Jahr verhindert werden könnten. Ferner sieht er einen volkswirtschaftlichen Effekt: Es würden drei Millionen Arbeitsunfähigkeitstage wegfallen, das entspreche einer Einsparung von rund einer Milliarde Euro. Den Mehraufwand für die Kostenträger beziffert er auf knapp 340 Millionen Euro.

Hessens Ärztekammerpräsident Dr. Edgar Pinkowski lehnt Grippeschutz in Apotheken ab. Bei dem Impfprozedere handele es sich um „komplexe Aufgaben, die nicht mal eben schnell in einer Schulung erlernt werden können, sondern die medizinische Aus- und Weiterbildung voraussetzen“. Ähnlich sieht es Dr. Karin Harre, Vorsitzende des Hausärzteverbandes Brandenburg: „Eine Impfung ist ein medizinischer Eingriff und darf nur unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden.“

May kann die Kritik nicht verstehen. Die Ärzte würden entlastet und bekämen Unterstützung bei der Verbesserung der Durchimpfungsrate. Dass Komplikationen wie beispielsweise allergische Reaktionen auftreten, hält er für äußerst unwahrscheinlich.