Gesichtsmasken können ein falsches Schutzgefühl bei Luftverschmutzungen vermitteln

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  • von Dr. Carola Krause
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Das Tragen einer gut sitzenden medizinischen Maske sollte momentan nur zur Vorbeugung von Infektionen und nicht zum Schutz vor Luftverschmutzung empfohlen werden. Gesichtsmasken zum Schutz vor Luftverschmutzung bieten den Menschen zu oft ein falsches Sicherheitsgefühl, welches die Expositionszeiten in gesundheitsgefährdeten Umgebungen erhöhen kann. Dabei hängen die individuellen Risiken von Menschen stark von der Exposition und dem individuellen Gesundheitszustand hab. Daher wird empfohlen, validierte Methoden zur Vermeidung von Risiken durch verschmutzte Luft der Allgemeinbevölkerung zu vermitteln.

Hintergrund

In ganz Asien und zunehmend auf der ganzen Welt tragen die Menschen medizinische Masken auf der Straße, um das Risiko zu verringern, an Erkältungen oder Influenza zu erkranken oder diese zu übertragen.

Medizinische Masken werden jedoch zunehmend auch aus einem anderen Grund angelegt - der Luftverschmutzung. Obwohl Gesichtsmasken große Körner von Staub, Pollen und Sand herausfiltern können, sind sie nicht in der Lage feinere Partikel, die die Lungen, Arterien und Venen erreichen, zu filtern. Dazu gehören feste Partikel mit einer Größe von weniger als 2,5 Mikrometern (PM 2,5) sowie giftige Dämpfe, die von Autos und der Industrie ausgestoßen werden.

Wirksamkeit gegen Luftverschmutzung nicht nachweisbar

Medizinische Masken sind im klinischen Umfeld gut erforscht und haben sich als wirksam gegen die Ausbreitung von Infektionserregern erwiesen.

Laut der Forschenden Wei Huang (Peking University School of Public Health in Beijing, China) und Lidia Morawska (Queensland University of Technology, Brisbane, Australia), ist allerdings kaum bekannt, wie wirksam medizinische Masken gegen Luftverschmutzung sind. Die Leistung einer Gesichtsmaske ist von Natur aus schwer zu quantifizieren. Es müssen viele Faktoren berücksichtigt werden, einschließlich der Größe und Quelle der Partikel, der Maskentyp sowie der Gesichtsform und des Verhaltens des Trägers.

Es wurden einige Laboruntersuchungen zu den Filtrationseigenschaften von Maskenmaterialien durchgeführt, allerdings gibt es sehr wenige Humanstudien, die die Wirksamkeit von Gesichtsmasken unter realen Bedingungen validiert haben. So gibt es bis dato keine statistisch signifikanten Aussagen zum Schutz vor Luftverschmutzung durch medizinische Masken.

Somit ist es nicht verwunderlich, dass es momentan keine Empfehlung durch öffentliche Gesundheitsinstitutionen, beispielsweise der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der American Heart Association und der European Society of Cardiology, zur Verwendung von Gesichtsmasken zum Schutz vor allgemeinen Umwelteinflüssen gibt.

Aufklärung der Allgemeinbevölkerung ist notwendig

Experten und Behörden müssen Beweise sammeln, um Hinweise zu erhalten, in welchen Situationen das kurzfristige Tragen einer Gesichtsmaske von Vorteil sein kann, z. B. während eines Staubsturms oder in bestimmten Städten in Afrika, in denen Wüstenstaub eine wichtige Komponente der Luftverschmutzung darstellt.

Forscher sollten Belege für die Wirksamkeit des Maskengebrauchs gegen Luftverschmutzung sammeln. In klinischen Studien sollten größere Stichproben verwendet und die langfristigen Auswirkungen in Hochrisikopopulationen verfolgt werden.

Die WHO und andere Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitswesens sollten die Öffentlichkeit über die besten Möglichkeiten aufklären, sich selbst zu schützen. Bis bessere Nachweise vorliegen, sollten sie das Tragen einer gut sitzenden Maske nur zur Vorbeugung von Infektionen und nicht zum Schutz vor Luftverschmutzung empfehlen.

Finanzierung: keine Angaben