Geringere Demenz-Rate bei alten Menschen mit antihypertensiver Therapie

  • Journal of Alzheimer’s Disease

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine Antihypertensiva-Therapie geht bei Patienten von Hausärzten mit einer verminderten Demenz-Rate einher.

Hintergrund

Mehrere klinische Studien haben einen Zusammenhang zwischen Bluthochdruck und der Entwicklung von Demenz-Symptomen gezeigt. Gestärkt werden solche Beobachtungen durch neuropathologische Befunde. Von einer blutdrucksenkenden Therapie wird daher angenommen, dass sie vor einer solchen Entwicklung schützen kann. In der vorliegenden Studie wurde nun untersucht, ob bei älteren Patienten von Hausärzten eine Therapie mit Antihypertensiva mit einer verminderten Demenz-Rate einhergeht.

Design

Für die retrospektive Studie wurden Daten von mindestens 60 Jahre alten Patienten (Durchschnittsalter knapp 81 Jahre, rund 61 Prozent Frauen) aus über 730 Hausarzt-Praxen in Deutschland ausgewertet: 12.405 Patienten mit dokumentierten Blutdruck-Werten und Demenz-Diagnose sowie eine entsprechende und gleich große Vergleichs-Gruppe mit Patienten ohne Demenz.

Hauptergebnisse

Die antihypertensive Pharmakotherapie war mit einer verminderten Demenz-Rate assoziiert. Die Berechnungen ergaben eine relative Risikoreduktion

  • bei Sartanen um 21 bis 26 Prozent
  • bei ACE-Hemmern um 12 bis 15 Prozent
  • bei Kalzium-Antagonisten um 11 bis 18 Prozent und 
  • bei Betablockern um 12 Prozent.

Klinische Bedeutung

Das Ergebnis der retrospektiven Studie ist keine Überraschung, aber erfreulich angesichts der vielen erfolglosen Versuche, neue wirksame Medikamente gegen Demenz-Erkrankungen zu entwickeln. Wie schon andere Studien zuvor lässt auch diese Studie annehmen, dass eine blutdrucksenkende Therapie möglicherweise vor einem beschleunigten kognitiven Abbau schützt. Eine Stärke der Studie ist die recht große Zahl der Teilnehmer, eingeschränkt wird die Aussagekraft durch das retrospektive Design, fehlende Daten zu relevanten Parametern wie etwa Bildungsgrad, körperlicher Aktivität und Ernährung. Zudem fehlt eine Differenzierung der Erkrankungen, die zu den Demenz-Symptomen geführt haben. Gleichwohl stärkt die Studie Bemühungen um eine Demenz-Prävention durch Modifikation bekannter kardiovaskulärer Risikofaktoren, zu denen außer Bluthochdruck zum Beispiel mangelnde Bewegung und Adipositas zählen.

Finanzierung: keine Angaben; alle Autoren geben an, keine Interessenkonflikte zu haben.