Gentherapie verlängert das Leben von Patienten mit spinaler Muskelatrophie Typ 1


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Mit einer einzigen intravenösen Gentherapie ist es gelungen, bei Patienten mit spinaler Muskelatrophie Typ 1 (SMA1) das Überleben zu verlängern und die Motorik im Vergleich zu historischen Kontrollen erheblich besser zu bewahren.

Hauptergebnisse

  • Im Alter von 20 Monaten waren alle 15 Patienten am Leben, während im Vergleich dazu die Überlebensrate in einer historischen Kohorte lediglich 8 % betrug.
  • In der Kohorte, die eine hochdosierte Gentherapie erhielt, verbesserten sich die Werte auf der 64 Punkte umfassenden CHOP-INTEND-Skala nach einem Monat um durchschnittlich 9,8 Punkte und nach 3 Monaten um 15,4 Punkte, während die historische Kohorte sich in diesem Zeitraum verschlechterte.
  • Von den 12 Patienten, die eine hochdosierte Gentherapie erhielten, konnten 11 ohne fremde Hilfe sitzen, 9 konnten selbstständig zur Seite rollen, und 2 ohne fremde Hilfe laufen.
  • Als Nebenwirkung wurde lediglich ein Anstieg der Leberenzyme bei 2 Patienten beobachtet, die durch eine Behandlung mit Prednisolon kontrolliert wurde.

Design

  • Verabreichung des intakten Genes SMA1 in Form einer einmaligen intravenösen Injektion eines gentechnisch manipulierten Adeno-assoziierten viralen Serotyp 9 (scAAV9).
  • Zwei Kohorten von zusammen 15 Patienten, beide mit homozygoten Deletionen von Exon 7 des SMA1-Gens, erhielten entweder eine niedrige oder eine hohe Dosis von scAAV9.
  • Primäres Studienziel war die Sicherheit der Verfahren (Behandlungsbedingte Nebenwirkungen vom Grad 3 oder höher).
  • Sekundäres Studienziel war die Zeit bis zum Tod oder bis zur Notwendigkeit einer permanenten Beatmung (mindestens 16 Stunden / Tag für 2 Wochen).
  • Erfasst wurden außerdem motorische Meilensteine, vor allem sitzen ohne fremde Hilfe und die speziell für Kinder mit SMA entwickelte Skala CHOP INTEND mit einem Wertebereich von 0-64.
  • Finanzierung: AveXis und andere.

Klinische Bedeutung

Die spinale Muskelatrophie vom Typ 1 (SMA1) ist eine progrediente, monogenetische Motorneuronenerkrankung, die in der frühen Kindheit beginnt und binnen zwei Jahren entweder tödlich endet oder eine künstliche Beatmung erfordert. Eine Verlangsamung der Krankheit wurde bislang lediglich mit dem Antisense-Oligonukleotid Nusinersen erreicht, das seit Juni in der EU zugelassen ist und in der Erhaltungstherapie jährlich ca. 270000 Euro kostet. Für die noch nicht zugelassene Gentherapie von Mendell et al. zeichnet sich nun eine ähnlich gute Wirksamkeit ab, die möglicherweise nur eine einzige intravenöse Infusion erfordert. Zu den offenen Fragen für beide Behandlungsansätze zählt der Nutzen eines früheren Behandlungsbeginns, für die Gentherapie auch deren Wirkdauer.

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