Gensignatur kann Wirkdauer einer Chemoimmuntherapie bei bestimmten CLL-Patienten vorhersagen

  • Lancet Oncology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Über eine Signatur aus 17 Genen lässt sich abschätzen, wie lange eine Untergruppe von Patienten mit chronisch lymphatischer Leukämie und ungünstigem Prognose-Faktor (nicht mutierte IGHV-Gene) von einer Chemoimmuntherapie mit Fludarabin, Cyclophosphamid und Rituximab profitieren wird.

Hintergrund

Eine hochwirksame Erstbehandlung für Patienten mit chronisch lymphatischer Leukämie (CLL) ist die Chemoimmmuntherapie mit Fludarabin, Cyclophosphamid und Rituximab (FCR). Die Prognose ist allerdings äußerst heterogen, sodass man sich hier auf die Suche nach Genexpressionsmustern gemacht hat, die zur Vorhersage geeignet sein könnten.

Design

Entwicklung und unabhängige Validierung einer Genexpressions-Signatur zur Identifikation von CLL-Patienten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit unter einer Therapie mit FCR eine langanhaltende Remission erwarten dürfen. Gesucht wurde zunächst retrospektiv bei 101 Patienten des MD Anderson Cancer Center (Houston). Anschließend wurde eine mit statistischen Methoden (Lasso-Verfahren) ermittelte Minimal-Gensignatur bei 109 noch unbehandelten Patienten der German Chronic Lymphocytic Leukaemia Study Group validiert.

Neuerungen (Auswahl)

  • In der US-amerikanischen Kohorte hatte man eine spezifische Signatur aus 17 Genen ermittelt, unter der das Chancenverhältnis HR für eine langfristige Remission 3,83 betragen hatte (95%-Konfidenzintervall 1,94 – 7,59; p
  • Die Validierung an den deutschen Patienten erbrachte eine HR von 1,90 (95%-KI 1,18 – 3,06; p = 0,008).
  • Die medianen Werte bis zur Progression betrugen bei der Validierungs-Kohorte 39 Monate (Quartilsabstand 22 – 69) für jene mit einer ungünstigen Prognose, und 59 Monate (IQR 28 – 84) für jene Patienten mit intermediärer Prognose.

Klinische Bedeutung

Erstmals wird mit dieser Studie die Möglichkeit aufgezeigt, eine Untergruppe von Patienten zu identifizieren, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nach einer Erstlinientherapie mit FCR eine relative lange Remission erwarten dürfen, obwohl sie ein nicht mutiertes IGHV-Gen tragen – so die Einordnung von Lukáš Smolej (Universitätsklinik Hradec Kralove, Tschechien) in einem begleitenden Kommentar. Solch eine zeitlich limitierte Chemoimmuntherapie könne für sorgfältig ausgewählte Untergruppen immer noch eine Option sein, weil auch das in Studien als überlegen getestete Ibrutinib mehrere Nachteile habe, wie die Notwendigkeit der dauerhaften Anwendung oder Nebenwirkungen wie Blutungen und Vorhofflimmern.

Finanzierung: Chronic Lymphocytic Leukaemia Global Research Foundation and the National Institutes of Health/National Cancer Institute.