Genetischer Morbus Parkinson: Funktionsstörungen sind möglicherweise durch frühzeitigen Serotoninmangel zu erkennen

  • Lancet Neurology

  • von Dr. Carola Krause
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Veränderungen des Serotoninsystems im Gehirn können möglicherweise zur Früherkennung der erblichen Form von Morbus Parkinson eingesetzt werden, lange bevor Schädigungen durch das Dopaminsystem ersichtlich werden. Die Überwachung auf Veränderungen des serotonergen Systems könnte helfen, die frühesten Stadien der Parkinson-Krankheit bei Risikopersonen zu erkennen und mögliche neue Therapiestrategien zu identifizieren.

Hintergrund

Morbus Parkinson ist nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Die Krankheit führt zu zunehmend stärkeren Bewegungsstörungen sowie zu Symptomen wie Sprachproblemen und kognitiven Störungen. Die Neuropathologie der Parkinson-Krankheit ist durch die Entwicklung von α-Synuclein (SNCA)-Aggregaten gekennzeichnet, die die Hauptkomponenten der typischen Lewy-Körperformationen sind, die sich allmählich im Gehirn ausbreiten und dopaminerge und nicht-dopaminerge Neuronen, einschließlich serotonerger Neuronen, betreffen.

Die meisten Fälle von Morbus Parkinson haben keine einzige bekannte Ursache, aber einige Fälle wurden mit Genmutationen in einen Zusammenhang gebracht. Mutationen im SNCA-Gen sind beispielsweise sehr selten, aber es ist fast sicher, dass Träger im Laufe ihres Lebens an Parkinson erkranken.

Bisher haben vereinzelte neuropathologische Studien vermuten lassen, dass serotonerge Neuronen in sporadischen (nicht genetischen) Fällen in einem frühen Stadium von Morbus Parkinson beteiligt sein könnten. Bis dato wurde dieses Konzept allerdings nicht in-vivo bewiesen.

Serotoninmangel ein Indikator für genetischen Morbus Parkinson

Wissenschaftlern des Kings College London und der University of Athens Medical School konnten nun erstmals zeigen, dass Veränderungen des Serotoninsystems Vorboten für die Dopamin-induzierte genetischen Parkinson-Erkrankung sein können.

Forscher identifizierten 14 Personen mit der A53T-SNCA-Genmutation aus Griechenland und Italien und brachten sie für eine Studie nach London. Weitere 65 Patienten mit sporadischem Parkinson und 25 gesunden Probanden nahmen auch an der Studie teil.

Die Forscher nutzten die Positronenemissionstomographie (PET), um Veränderungen sowohl des Serotonin- als auch des Dopaminsystems im Gehirn aller Studienteilnehmer zu untersuchen.

Die Studienergebnisse zeigten, dass sieben der 14 SNCA-Mutationsträger bereits motorische Symptome aufwiesen und bei diesen Patienten eine klinische Diagnose des Morbus Parkinson bestätigt wurde.

Die anderen sieben SNCA-Mutationsträger zeigten keine motorischen Symptome, und PET Untersuchungen des Gehirns zeigten keine Veränderungen des dopaminergen Systems, obschon deutliche Veränderungen des serotonergen Systems sichtbar wurden.

Die Forschenden nehmen an, dass die Detektion von Serotoninmangel als früheste Indikatoren für die Identifikation der genetischen Form der Parkinson-Erkrankung genutzt werden kann, lange bevor symptomatischen Bewegungsstörungen bzw. Veränderungen des Dopaminsystems beobachtet werden können.

So vermuten die Forschenden, dass der serotonerge Schaden auch mit der Krankheitslast verbunden ist und das nachweisbare Veränderungen des Serotoninsystems im Gehirn ein wertvolles Instrument sein könnten, um Personen mit einem Parkinson-Risiko zu erkennen, deren Krankheitsfortschritt zu überwachen und bei der Entwicklung neuer Therapien zu helfen.

Finanzierung: Lily Safra Hope Foundation and National Institute for Health Research (NIHR) Biomedical Research Centre at King's College London