Gene, Lebensstandard und Umweltfaktoren prägen das Risiko für eine persistierende atopische Dermatitis


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine Langzeitstudie von atopischen Kindern asthmatischer Mütter beschreibt bekannte und neue Risikofaktoren, die mit der Persistenz der Krankheit bis in die späte Kindheit assoziiert sind.

Hintergrund

Welche Faktoren mit einer, in der Kindheit persistierenden atopischen Dermatitis (AD) assoziiert sind, ist bisher noch weitgehend unerforscht.

Design

In der Copenhagen Prospective Study on Asthma in Childhood 2000 wurden 411 Kinder, deren Mütter an Asthma erkrankt waren, von Geburt an bis zum Alter von 13 Jahren nachverfolgt. Ob eine AD vorlag, wurde zunächst alle 2 Jahre bis zum 7. Lebensjahr anhand der Kriterien nach Hanifin und Rajka geprüft, sowie ein weiteres Mal mit 13 Jahren. Die Schwere der Symptome wurde mit 0 – 83 Punkte umfassenden Scoring Atopic Dermatitis (SCORAD) Index gemessen und mit den per Interview mit den Eltern erhobenen Daten zu persönlichen-, sozialen- und Umweltfaktoren verglichen.

Hauptergebnisse

  • 186 von 411 Kindern wurden bis zum Ende des 13 Lebensjahres mit einer AD diagnostiziert, davon konnten 166 in die Analyse aufgenommen werden. Bei 40 Kindern (24,1 %) persistierte die Krankheit, bei 126 (76 %) verschwand sie wieder.
  • Kinder mit AD hatten häufiger Mütter mit AD und Väter mit Asthma und Heuschnupfen. Die Mütter der AD-Gruppe hatten zudem in der Schwangerschaft seltener Antibiotika eingenommen.
  • 37,5 % der Kinder mit persistierender AD hatten einen Vater mit Asthma, dagegen nur 12,8 % der Kinder mit transienter AD. Väter von Kindern mit persistierender AD hatten auf signifikant häufiger selbst eine AD als die Väter von Kindern mit transienter AD (30,6 % versus 7,0%; OR 5,8; P
  • Mutationen im Filaggrin-Gen, die bekanntermaßen das AD-Risiko um das 2-3-fache erhöhen, wurden bei 28,9 % der Kinder mit persistierender AD gefunden, aber nur bei 13,5 % mit transienter AD. Der genetische Risikowert, der anhand bekannter AD-assoziierter Mutationen berechnet wurde, lag für die Kinder mit persistierender AD im Durchschnitt bei 0,48, bei transienter AD bei 0,02. Die Dauer der AD war positiv linear und dosisabhängig mit dem genetischen Risikowert korreliert.
  • Das Risiko für eine persistierende AD erhöhte sich außerdem mit dem sozialen Status (Einkommen, Alter und Bildungsgrad der Mutter) im Alter von 2 Jahren. Weitere Risikofaktoren, die in einer Mehrkompenentenanalyse entdeckt wurden, waren zum Beispiel: Die Gegenwart einer Dennie-Morgan-Falte, eine Intoleranz gegenüber Wolle, eine Tendenz zu Hautinfektionen sowie Lebensmittelunverträglichkeiten und Allergien.

Klinische Bedeutung

Die detaillierte Beobachtung von 166 Kindern mit AD und der Abgleich mit einer Vielzahl potenzieller Risikofaktoren verbessern die Datengrundlage, um die Wahrscheinlichkeit einzuschätzen, dass ein Kleinkind seine AD über lange Zeit beibehält. Dies gilt allerdings nur für Kinder, deren Mütter wie in der untersuchten Population an Asthma erkrankt sind.

Finanzierung: Die Copenhagen Prospective Studies on Asthma in Childhood werden von einer großen Zahl privater und öffentlicher Forschungsfonds finanziert, die hier vollständig aufgelistet sind.