Gelbfieber: Geimpfte Säuglinge benötigen möglicherweise Auffrischimpfung für lebenslangen Schutz

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  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

In endemischen Gebieten werden Säuglinge routinemäßig im Alter von 9 bis 12 Monaten einmalig gegen Gelbfieber geimpft. Eine aktuelle Studie von Wissenschaftlern des Robert Koch-Instituts (RKI) und Forschern aus Frankreich, USA, Ghana und Mali kommt nun jedoch zu dem Schluss, dass geimpfte Säuglinge für einen lebenslangen Schutz möglicherweise noch eine Auffrischungsimpfung benötigen. Die Ergebnisse wurden jüngst in  The Lancet Infectious Diseases  publiziert.

Hintergrund

Die Einzeldosis-Empfehlung der WHO zur Gelbfieber-Impfung umgeht die Frage nach der Dauer der Schutzimmunität bei Säuglingen. Entsprechende Studien konzentrierten sich bislang auf Erwachsene oder ältere Kinder. Die Dauer der Immunität nach der Säuglingsimpfung wurde nur über einen Zeitraum von wenigen Monaten (1-3 Monate) untersucht; Langzeitstudien gibt es indessen kaum.

Rückgang der Seroprotektionsrate nach 28 Tagen.

Im Fokus des internationalen Forscherteams standen zwei Kinderpopulationen aus Mali (587 Kinder) und Ghana (436 Kinder), denen zwischen Juni 2009 und Dezember 2012 eine Impfstoffdosis gegen Gelbfieber verabreicht wurde. Insgesamt beobachteten die Wissenschaftler, dass der Prozentsatz der Kinder mit Antikörpern in beiden Gruppen viel niedriger war als erwartet. So waren 296 Kinder aus Mali (50,4%, 95-%-Konfidenzintervall 46,4-54,5) 4 bis 5 Jahre nach der Impfung seropositiv. Unter den ghanaischen Kindern waren 121 (27,8 %, 95-%-KI23,5-32,0) nach 2 bis 3 Jahren seropositiv. Nach 28 Tagen waren noch 96,7% der Säuglinge in Mali und 72,7% der Säuglinge in Ghana seropositiv.

Strategie zur Booster-Impfung notwendig

Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass gegen Gelbfieber geimpfte Säuglinge für eine robuste, lebenslange Immunität eine Auffrischungsimpfung benötigen, heißt es in einer aktuellen Mitteilung des Robert Koch-Instituts. Die neuen Daten könnten dazu beitragen, eine ideale Strategie für eine solche Booster-Impfung gegen Gelbfieber auszuarbeiten.

Gelbfieber ist eine lebensbedrohliche Viruserkrankung, die durch Moskitos übertragen wird. In 34 Ländern Afrikas und 13 Ländern Amerikas besteht die Gefahr der Gelbfieberübertragung; Angola und Brasilien litten in den letzten Jahren unter schweren Gelbfieberausbrüchen. Während des Ausbruchs, der 2016 in Brasilien begann, verbreitete sich das Virus in Gebiete, die bisher nicht als besonders gefährdet galten, darunter die dicht besiedelte Peripherie der Großstädte São Paulo, Rio de Janeiro und Salvador de Bahia.

Finanzierung: Welcome Trust Foundation