Gegen Rückenschmerzen hilft mehr Kraft, aber vor allem Trainingsfleiß


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine gesteigerte muskuläre Leistungsfähigkeit kann dazu beitragen, Rückenbeschwerden zu reduzieren. Die Zahl der Trainingseinheiten bzw. die Zeit, die insgesamt trainiert wird, hat für den Rückgang der Symptome jedoch deutlich größere Bedeutung.

Hintergrund

Aktives Rückentraining kann Rückenbeschwerden wirksam reduzieren. Körperliche Trainingsprogramme gegen Rückenschmerzen zielen überwiegend auf physische Leistungssteigerungen der Rückenmuskulatur ab, obwohl die Bedeutung der Kraftzunahme für den Schmerzrückgang unklar ist. In der vorliegenden Studie wurde daher untersucht, welche Bedeutung Trainingsumfang, muskuläre Leistungssteigerung, Alter und Geschlecht für die Wirksamkeit eines multimodalen Rückentrainings haben.

Design

Längsschnitt-Untersuchung (Multizenterstudie, 39 Standorte) mit 1395 im Mittel knapp 47 Jahre alten Teilnehmern (65 % Frauen) mit Rückenbeschwerden, die an einem multimodalen Rückentrainingsprogramm teilgenommen haben. Das Programm bestand aus dynamischem Krafttraining der Rumpfstabilisatoren und der Nackenmuskulatur, funktionsgymnastischen Übungen, Stretching und ergonomischem Verhaltenstraining zu „wirbelsäulengerechtem“ Sitzen sowie Arbeits- und Hebetechniken. Zu Beginn des Programms sowie nach 6, 12, 18 und 24 Monaten wurden Beschwerden und Leistungsfähigkeit (Kraft, Mobilität und bilaterale Kraftverhältnisse der wirbelsäulen-stabilisierenden Muskulatur) gemessen. Die Teilnehmer absolvierten im Durchschnitt 41 Trainingseinheiten à 60 min. Beim Vergleich mit Menschen ohne Rückenbeschwerden wurden alters- und geschlechtsspezifische Referenzwerte verwendet. 

Hauptergebnisse

  • Die Studienteilnehmer steigerten sich im Vergleich zu Menschen ohne Rückenbeschwerden bei der Kraft um 28,1 %-Punkte, bei der Mobilität um 14,7 %-Punkte und beim Kraftverhältnis um 6,5 %-Punkte. 
  • Die Rückenbeschwerden (Back Pain Function Score) reduzierten sich um 37,5 %. 
  • Der Rückgang der Beschwerden war nach Angaben der Autoren zu 70 % durch den Trainingsumfang und zu 30 % durch die physischen Leistungssteigerungen bedingt.
  • Der Effekt des Trainings stieg mit der Stärke der Rückenbeschwerden zu Beginn des Programms.
  • Das Geschlecht hatte keine und das Alter nur eine marginale Wirkung auf den Trainingseffekt.

Klinische Bedeutung

Diese Ergebnisse bestätigen den Autoren zufolge den Befund, dass es sich bei den physischen Leistungssteigerungen nicht um den stärksten Wirkfaktor beim Rückentraining handelt. Im Gegensatz zu vielen anderen Studien sei die objektive Leistungssteigerung in der vorliegenden Studie jedoch nicht bedeutungslos.

Kritisch anzumerken sei, wie die Autoren bemerken, dass zwar die symptomreduzierende Wirkung des Trainings über eine Vergleichsgruppe kontrolliert worden sei, jedoch keine Kontrolldaten zu den Effekten der objektiven Leistungssteigerung hätten erhoben werden können.

Insgesamt, so die Autoren, sprächen die Ergebnisse dieser Untersuchung ähnlich wie frühere Studien dafür, dass bei Trainingsmaßnahmen zur Reduktion von Rückenschmerzen statt der Leistungssteigerung andere Trainingsziele in den Vordergrund gerückt werden sollten. Zukünftige Studien sollten zum Beispiel die psychisch-kognitive, psychosoziale, biopsychische und physische Wirkung von Rückentraining auf die Schmerzreduzierung prüfen, um mit den Erkenntnissen das Training gezielt steuern zu können.

Finanzierung: Die Untersuchung wurde von der AOK Baden-Württemberg beauftragt und finanziert.