G-BA beschließt Richtlinie zum Zweitmeinungsverfahren

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Berlin (pag) – Vor Eingriffen an den Gaumen- und/oder Rachenmandeln sowie vor Gebärmutterentfernungen können Patienten künftig eine unabhängige ärztliche Zweitmeinung einholen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat jetzt die Verfahrensregeln beschlossen.

 

Er hat auch geregelt, über welche Qualifikationen zweitmeinungsgebende Ärzte verfügen müssen und welche genauen Aufgaben sie haben. Im Zentrum stehe die ärztliche Beratung über Therapiealternativen, sagt Dr. Regina Klakow-Franck, unparteiisches Mitglied des G-BA. Die neue Richtlinie legt fest, welche Ärzte für die Einholung einer Zweitmeinung in Frage kommen. „Entscheidend ist hierbei die ärztliche Unabhängigkeit von etwaigen wirtschaftlichen Interessen an der Durchführung des Eingriffs“, sagt die G-BA-Vertreterin.

Bis das Verfahren im Versorgungsalltag ankommt, dürfte es allerdings noch etwas dauern. Die Richtlinie tritt in Kraft, wenn sie nicht vom Bundesgesundheitsministerium beanstandet und im Bundesanzeiger veröffentlicht wird. Auch kann das Zweitmeinungsverfahren erst dann als ambulante Leistung in Anspruch genommen werden, wenn der Bewertungsausschuss über die Höhe der Vergütung im Einheitlichen Bewertungsmaßstab entschieden hat. Für Patienten will der G-BA auf seinen Internetseiten ein Merkblatt zur Verfügung stellen.

Die Regelung des G-BA ist nicht unumstritten, von Patientenseite wird unter anderem bemängelt, dass bei der Zweitmeinung fehlende Befunde nicht erhoben werden dürfen. Die Folge: Patienten würden zu einem „Diagnostik-Ping-Pong verurteilt, wenn Befunde fehlen“, twittert Ilona Köster-Steinebach vom Verbraucherzentrale Bundesverband, die Patientenvertreterin im G-BA ist. Auch im Vorfeld gab es dazu offenbar zähe Auseinandersetzungen. Der unparteiische Vorsitzende des Gremiums, Prof. Josef Hecken, spricht in der öffentlichen Sitzung daher ironisch von einer „Krönung demokratischer Selbstverwaltungskultur, die zeigt, wie man auch sprachliche Differenzen über drei Jahre kultivieren kann“. Wenn es einen Beweis für die Effektivität und Effizienz der Selbstverwaltung gebe, dann sei es sicher diese Richtlinie, so Hecken weiter.