FSME: Neue Risikogebiete in Sachsen, Thüringen und Bayern ausgewiesen


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Der Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) breitet sich in Deutschland immer weiter aus. Bei der jährlichen Aktualisierung der Karte zu den FSME-Risikogebieten sind in diesem Jahr zehn neue Stadt- und Landkreise hinzugekommen. Das teilt das Robert Koch-Institut (RKI) im aktuellen Epidemiologischen Bulletin 17/2018 mit.

Hintergrund

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird von Zecken übertragen und kommt in weiten Teilen Europas und Asiens vor. In Deutschland werden jedes Jahr rund 300 FSME-Erkrankungen gemeldet, der Großteil aus Bayern und Baden-Württemberg sowie angrenzenden Gebieten in Hessen, Thüringen und Sachsen. Nach einem Zeckenstich können Menschen aller Alters­gruppen erkranken. Am häufigsten tritt die FSME aber bei Personen ab 40 Jahren auf.

Hauptergebnisse

Neue FSME-Risikogebiete weist das RKI in Sachsen, Thüringen und Bayern aus. So hat sich die Zahl der betroffenen Landkreise im Freistaat Sachsen binnen eines Jahres von eins auf vier erhöht. Zum Vogtlandkreis, der bereits 2014 zum FSME-Risikogebiet erklärt wurde, kommen jetzt der Erzgebirgskreis sowie die Landkreise Bautzen und Zwickau hinzu. In Thüringen wurde der Landkreis Ilm-Kreis und der Stadtkreis Suhl und in Bayern die Landkreise München, Günzburg, Augsburg, Weilheim-Schongau und Starnberg neu als Risikogebiete definiert. Auch in Nicht-Risikogebieten traten vereinzelt Infektionen auf . Insgesamt sind aktuell 156 Kreise als Risikogebiete deklariert.

„Die hohe Anzahl von aktuell zehn neuen Risikogebieten liegt an der vergleichsweise hohen FSME-Inzidenz im vergangenen Jahr“, schreibt das RKI. So wurden 2017 insgesamt 485 FSME-Erkrankungen an das Institut übermittelt. Das entspricht einer Zunahme von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr (348 Erkrankungen). Bei über der Hälfte der gemeldeten FSME-Fälle zeigten sich neurologische Manifestationen einer Meningitis, Enzephalitis oder Myelitis. 

Klinische Bedeutung

Aber auch in Nicht-Risikogebieten sollte vor allem während der Zeckensaison von März bis Oktober bei entsprechender Symptomatik an eine Frühsommer-Meningoenzephalitis gedacht werden. Hier bedarf es, laut RKI, einer besonders sorgfältigen klinischen und labordiagnostischen Untersuchung. Um einen möglichen Anstieg FSME-spezifischer Antikörper zu ermitteln, empfiehlt das Institut unbedingt zwei Serumproben in einem Abstand von etwa zwei bis vier Wochen zu entnehmen. Eine Aviditätstestung könne weiterhin darüber Aufschluss geben, ob es sich um eine frische Infektion handelt.

Indessen stagnieren die Impfquoten in den Risikogebieten und sind nach wie vor unzureichend, um hohe Fallzahlen, wie die von 2017, zu verhindern, schreibt das RKI. Rund 97 Prozent der 2017 gemeldeten FSME-Erkrankten war nicht oder nur unzureichend geimpft. Daher sollte vor allem in Kreisen mit besonders hoher FSME-Last über den Nutzen der Impfung umfassend aufgeklärt werden.

Für einen kompletten Impfschutz sind laut STIKO drei Impfungen erforderlich - eine Grundimmunisierung, bestehend aus zwei Teilimmunisierungen sowie einer Boosterung. Als FSME-Impfstoffe stehen derzeit FSME-Immun® und Encepur® zur Verfügung. Auffrischimpfungen sind in Abständen zwischen drei und fünf Jahren notwendig.