Frühform der Multiplen Sklerose an spezifischer Immunsignatur erkennbar

  • PNAS

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei einer potenziellen familiären Belastung für Multiple Sklerose (MS) durch erkrankte nahe Angehörige lassen sich ein erhöhtes Risiko und subklinische Früformen an einer mit MS assoziierten Signatur von Immunzellen im peripheren Blut erkennen. Schon in der subklinischen Prodromalphase ist die Zusammensetzung von Immunzellpopulationen (CD4+ T-Zellen, vor allem TH17) aus dem peripheren Blut MS-spezifisch verändert. Das ist das Ergebnis einer qualitativ hochwertigen Studie mit einem deutschen Kollektiv eineiiger Zwillingspaare, von denen ein Geschwister an MS erkrankt und das andere klinisch gesund ist.

Hintergrund

Eineiige Geschwister von Patienten mit Multipler Sklerose haben ein maximales familiäres Risiko, die Autoimmunerkrankung ebenfalls zu bekommen. Und doch trifft es nicht alle. In einer Studie mit einer deutschen Zwillingskohorte haben Forscher die verschiedenen Immunzellpopulationen auf die Frage hin charakterisiert, ob sie sich bei MS-Kranken von den gesunden Zwillingsgeschwistern unterscheiden und ob es spezifische Früherkennungsmerkmale gibt.

Design

  • Studiengruppe: aus der deutschen MS-Zwillingskohorte mit derzeit 85 eineiigen Zwillingspaaren, von denen jeweils ein Zwilling an MS erkrankt ist, der andere aber klinisch gesund ist.
  • Studienteilnehmer: 43 Zwillingspaare
  • Untersuchungsmethoden: phänotypische Charakterisierung der verschiedenen Immunzellpopulationen aus dem peripheren Blut für quantitative und qualitative Analysen
  • Bildgebung mit zerebralem MRT

Hauptergebnisse
Die enge genetische Verwandtschaft erklärte in der Gesamtgruppe 56 % der üblichen Variationen zwischen Einzelpersonen bei insgesamt 141 untersuchten Immunsignaturen (Variationsbreite zwischen den Zwillingen: 11–89 %). Andere Faktoren wie Alter, Geschlecht oder Infektionsstatus (CMV) waren mit zusammen 4 % von untergeordneter Bedeutung. Die übrigen Variationen werden damit auf Umwelteinflüsse zurückgeführt.

Eine subklinische Neuroinflammation mit Hinweisen auf eine MS ging mit einer erhöhten Zahl an langlebigen CD4+ T-Memory-Zellen: den TH17-Zellen im peripheren Blut. Von TH17-Zellen ist bekannt, dass sie Entzündungen verstärken und eine Bedeutung bei der Entstehung chronischer Autoimmunerkrankungen haben.

Klinische Bedeutung
Die neuen Ergebnisse könnten nach Meinung der Autoren sowohl für die Prävention und Früherkennung von MS genutzt werden, als auch für künftige Therapien. Denn eine MS sollte möglichst so früh behandelt werden, dass keine irreversiblen Schäden entstehen. Zusätzlich zu den bereits etablierten Medikamenten könnten künftig auch Substanzen, die CD4-positive Effektor-T-Zellen hemmen, als Strategie zur MS-Prävention bei Risikokandidaten zur Anwendung kommen.

Finanzierung: DFG, Hertie-Stiftung, DMSG (Bundesverband und Landesverband Bayern).