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Früher Prostatakrebs durch mehr Gemüse nicht aufzuhalten

  • JAMA

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp

Kernbotschaften

Im Rahmen einer interventionellen Ernährungsstudie ist es durch telefonische Beratung gelungen, den Gemüsekonsum von Patienten mit frühem Prostatakrebs deutlich zu erhöhen. Auf das Fortschreiten der Krankheit hatte die Maßnahme jedoch keinen Einfluss.

Hintergrund

In vielen Leitlinien zum Prostatakrebs – auch der deutschen – wird eine Ernährung mit viel Gemüse empfohlen. Harte Daten zum Nutzen dieser Empfehlung gibt es aber nur aus präklinischen und Beobachtungsstudien. Ein Forscherteam um Kellog Parsons (University of California San Diego) hat deshalb den Nutzen einer Verhaltensintervention auf die Progression der Krankheit bei Männern mit frühem Prostatakrebs geprüft.

Design

Für die Men´s Eating and Living (MEAL)-Studie wurden an 91 Zentren der USA 478 Männer zwischen 50 und 80 Jahren rekrutiert, die an Adenokarzinomen der Prostata im Stadium cT2a oder darunter litten, und einen PSA-Spiegel von weniger als 10 ng/ml hatten. Randomisiert wurde auf eine telefonische Beratung, die mindestens 7 Portionen Gemüse am Tag empfahl (Intervention) und 14 Mal erfolgte, oder schriftliche Informationen zu Ernährung und Prostatakrebs. Die Nachverfolgungszeit betrug 24 Monate. Primäres Studienziel war die Zeit bis zur Progression, die definiert wurde als PSA-Werte über 10 ng/ml, eine Verdoppelung des PSA-Wertes in weniger als 3 Jahren oder eine per Biopsie nachgewiesene Zunahme des Tumorvolumens bzw. -Stadiums.

Ergebnisse

  • Unter den 443 Männern in der primären Datenanalyse wurden 245 Progressionen festgestellt, davon 124 in der Interventionsgruppe und 121 in der Kontrollgruppe.
  • Es gab keinen signifikanten Unterschied bei der Zeit bis zur Progression. Das adjustierte Chancenverhältnis HR betrug 0,97 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 0,76 bis 1,25.
  • Der Anteil der Männer ohne Progression nach 24 Monaten wurde nach Kaplan-Meier berechnet und betrug in der Interventionsgruppe 43,5 % (95%-KI 36,5 – 50,6 %) gegenüber 41,4 % (95%-KI 34,3 – 48,7 %) in der Kontrollgruppe. Die Differenz von 2,1 Prozentpunkten hatte ein 95%-KI von – 8,1 bis + 12,2%.
  • Bei den telefonisch erfragten Veränderungen der Ernährungsgewohnheiten zeigte sich in der Interventionsgruppe nach 12 Monaten ein um durchschnittlich 2,43 Portionen erhöhter Konsum an Gemüse; in der Kontrollgruppe waren es nur 0,45 Portionen.

Klinische Bedeutung

Möglicherweise habe die Studie zu wenige Teilnehmer gehabt, um eine klinisch bedeutsame Differenz aufzeigen zu können, argumentieren die Autoren. Tatsache ist, dass der telefonisch erteilte Ratschlag, mehr Gemüse zu essen, in dieser Studie keinen Einfluss auf die Progression von Prostatakrebs im frühen Stadium hatte. Das ist angesichts der sehr intensiven Intervention mit 14 Anrufen in 7 Monaten eine Enttäuschung, die den gängigen Ratschlag „mehr Gemüse“ in Frage stellt.

Finanzierung: National Cancer Institute, Department of Defense, Prostate Cancer Foundation, William Hamilton Fund.

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