Früherkennung von Psychosen mit Sprachanalyse-Software erreicht 80 % Genauigkeit


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Menschen mit hohem Risiko für eine Psychose können anhand der Kohärenz ihrer Sprache und dem Gebrauch von Possessivpronomen durch eine automatisierte Analyse mit hoher Zuverlässigkeit erkannt werden..

Hauptergebnisse

  • Unter zwei Kohorten mit hohem Psychoserisiko mit zusammen 93 Individuen entwickelten 24 später eine Psychose, die anderen erholten sich.
  • Die Software sagte dies mit einer Genauigkeit von annähernd 80 % voraus (79 % in der einen Kohorte, 83 % in der anderen).
  • Beim Vergleich von Individuen, die kürzlich eine Psychose erlitten hatten, mit Gesunden, erreichte die Software eine Genauigkeit von 72 %.

Design

  • Maschinelle Auswertung der Transkripte von 93 Individuen mit hohem Psychoserisiko an zwei Zentren (Los Angeles und New York City)
  • Auswahl der Studienteilnehmer mit prodromalen Symptomen anhand von Interviews, einer substantiellen Abnahme ihres Sozialverhaltens oder kurzer intermittierender psychotischer Symptome.
  • Analyse bezüglich Kohärenz der Sprache (minimal, maximal und Variation) sowie der Häufigkeit von Possessivpronomen.
  • Finanzierung: US National Institute of Mental Health, New York State Office of Mental Health.

Klinische Bedeutung

Psychosen können zu einer veränderten Sprachstruktur führen; unter anderem zum Verlust von Zusammenhängen und Komplexität. Inwiefern derartige Veränderungen bereits vor dem Auftreten von Psychosen evident werden und durch eine automatisierte Sprachanalyse erfasst werden können, war die Fragestellung in dieser Studie. Sie bestätigt an einer größeren Kohorte, was bereits eine Pilotstudie ergeben hatte: Mit vordefinierten Kriterien kann die Software den Beginn einer Psychose mit hoher Genauigkeit vorhersagen. Ob computergestützte Sprachanalysen insbesondere bei Menschen mit einem erhöhten Risiko für Schizophrenie Vorteile gegenüber etablierten Diagnoseverfahren bieten oder gar die Prognose verbessern, ist mit dieser Studie allerdings nicht bewiesen.