Frühere Therapie und neuere Substanzen beugen dem Progress einer Multiplen Sklerose vor


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Der Vergleich der initialen Therapie mit dem 5-Jahres-Risiko, eine sekundär progrediente MS (SPMS) zu entwickeln, ergab in einer großen Kohorte deutliche Hinweise auf die Überlegenheit eines frühen Eingreifens und neuerer Präparate.

Hintergrund

Binnen 2 Jahrzehnten nach der Manifestation der schubförmigen Multiplen Sklerose konvertieren etwa 80 % aller unbehandelten Patienten zur SPMS, bei der Behinderungen nicht mehr reversibel sind. Welchen Einfluss die verschiedenen krankheitsmodifizierenden Therapien (DMT) auf die Konversionsrate haben, wurde bisher nur selten untersucht.

Design

Kohortenstudie anhand der prospektiven Daten von 1555 Patienten aus 68 Zentren in 21 Ländern, die zwischen 1988 und 2012 entweder eine krankheitsmodifizierende Therapie begonnen hatten oder nicht behandelt wurden, und die mindestens 4 Jahre nachverfolgt wurden. Die Art und Dauer der DMT wurde dem Risiko für die Entwicklung einer SPMS bei gematchten, unbehandelten Patienten gegenübergestellt.

Hauptergebnisse

  • Im Vergleich zu unbehandelten Patienten betrugen das absolute 5-Jahresrisiko und das Chancenverhältnis HR und bei initialer Behandlung mit:
    • Glatirameracetat oder Interferon beta 12 % vs. 27 % (HR 0,71 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 0,61 – 0,81; P
    • Fingolimod 7 % vs. 32 % (HR 0,37; 95%-KI 0,22 – 0,2; P
    • Natalizumab 19 % vs. 38 % (HR 0,61; 95%-KI 0,43 – 0,86; P
    • Alemtuzumab 10 % vs. 25 % (HR 0,52; 95%-KI 0,32 – 0,85; P = 0,009)
  • Das 5-Jahres-Risiko einer Konversion war unter Fingolimod, Alemtuzumab oder Natalizumab mit 7 % gegenüber Glatirameracetat oder Interferon beta (12 %) signifikant geringer.
  • Wurde die Therapie mit Glatirameracetat oder Interferon beta binnen 5 Jahren nach Manifestation der MS begonnen, so war das 5-Jahres-Risiko einer Konversion zur SPMS mit 3 % vs. 6 % nur halb so groß wie bei einem späteren Therapiebeginn.
  • Ebenso war eine Eskalation von Glatirameracetat oder Interferon beta auf Fingolimod, Alemtuzumab oder Natalizumab binnen 5 Jahren mit einem niedrigeren Risiko einer Konversion zur SPMS assoziiert (8 % vs. 14 %).

Klinische Bedeutung

Die Befunde dieser Arbeit könnten unter Beachtung der Risiken der jeweiligen Therapien für die Entscheidungsfindung bezüglich der Auswahl einer DMT herangezogen werden, schreiben die Autoren. Deutlich offensiver kommentiert Ari J. Green (University of California, San Francisco), die Studie, in der er einen Beleg für eine allzu zögerliche Umsetzung neuer Therapien durch seine Kollegen sieht. Zwar muss auch Green einräumen, dass die hier benutzte Methode des Vergleichs behandelter und unbehandelter Patienten („Propensity matching“) mögliche Verzerrungen nicht ausschließen kann. Dennoch gäbe es starke Signale dafür, dass eine frühzeitige und aggressive Behandlung Schäden vorbeugen könne.

Finanzierung: National Health and Medical Research Council of Australia; University of Melbourne; Grand Charity of the Freemason´s; MSBase 2017 Fellowship. Die MBase-Stiftung ist eine gemeinnützige Organisation, die von Roche, Merck, Biogen, Novartis, Bayer Schering, Sanfi Genzyme und Teva unterstützt wird.