Früher Brustkrebs: Erhöhtes Risiko mit Bedarf für Chemotherapie über Gensignatur gut vorhersagbar


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Beim frühem Mammakarzinom ohne Befall der axillären Lymphknoten lässt sich durch einen Test auf 21 Gensignaturen (OncotypeDX) auch die vergleichsweise kleine Gruppe von Patientinnen erkennen, die ein erhöhtes Rückfallrisiko haben. Erhalten sie auf Basis des Testergebnisses eine kombinierte Chemohormontherapie statt lediglich einer endokrinen Behandlung, ist ihre Prognose gut.

Hintergrund
Der Multigenexpressionstest Oncotype DX ermittelt für Patientinnen mit Hormonrezeptor-positivem, frühem Mammakarzinom das Rückfallrisiko, quantifiziert über den 21-Gen-Recurrence Score (0-100; sehr niedriges-hohes Risiko). Im Bereich eines Score-Werts zwischen 11 oder 16 und maximal 25 ist in der TAILORx-Studie bereits belegt worden, dass der Test diejenigen Patientinnen gut identifiziert, die nicht zusätzlich zur Hormontherapie auch eine Chemotherapie benötigen. Die Langzeitprognose verschlechtert sich durch das Weglassen von Zytostatika in der intermediären Risikogruppe (RS 11/16-25) nicht. In einer Sekundäranalyse der TAILORx-Studie ist das rückfallfreie Überleben in jener Gruppe von Teilnehmerinnen untersucht worden, denen auf Basis eines RS-Wertes von > 25 eine Kombination aus Chemo- und Hormontherapie empfohlen worden war.

Design

  • prospektiv randomisierte multizentrische Phase-3-Studie
  • Teilnehmerinnen: Patientinnen, die ein frühes, nodal-negatives Hormonrezeptor-positives (ER+ und/oder PR+), Her2neu-negatives Mammakarzinom hatten
  • Subgruppe: von insgesamt 9719 Patientinnen hatten 1389 (14 %) einen RS-Wert ≥ 26 (median: 32; Range: 26-87); ihnen wurde eine adjuvante Chemotherapie empfohlen
  • primärer Endpunkt: das krankheitsfreie Überleben ohne Mammakarzinomrezidiv und ohne zweiten Primärtumor

Hauptergebnisse
Die Teilnehmerinnen der Untergruppe der TAILORx-Studie waren median 56 Jahre alt. Als Chemotherapie wurde Docetaxel plus Cyclophosphamid gegeben (bei 42 %), ein Anthrazyklin ohne Taxan (24 %), ein Anthrazyklin plus Taxan (18 %) oder andere Regime; 6 % erhielten keine Chemotherapie. Nach 5 Jahren waren 93 % der Teilnehmerinnen frei von Fernmetastasen und 91 % frei von einem lokoregionären Rezidiv. Das Gesamtüberleben betrug 95,9 %.

Auf Basis der B20-Studie war ein krankheitsfreies Überleben von 79 % nach 5 Jahren erwartet worden.

Klinische Bedeutung
Schon die früheren Ergebnisse dieser aussagekärftigen Studie sind eine gute Grundlage für Ärzte, Patientinnen mit Mammakarzinom im Sinne moderner personalisierter Medizin zu beraten“, kommentiert der Erstautor der Studie, Prof. Joseph A. Sparano vom Albert Einstein Cancer Center in New York. „Die neue Analyse ist die umfangreichste, die es derzeit zu Patientinnen mit frühem, HR+ Mammakarzinom und hohem Risiko gibt. Sie bestätigt, dass der 21-Gen-Signaturtest sinnvoll ist, um auch jene Minderheit der Frauen zu identifizieren, die eine adjuvante Chemotherapie benötigen. Wenn sie sie erhalten, ist ihre klinische Prognose sehr gut.“ Die Kosten für den Test sind in Deutschland Leistung der gesetzlichen Krankenkassen.

Finanzierung: National Cancer Institute, Komen Foundation.