Frühe Anzeichen von Tumoren in der Hausarztpraxis erkennen


  • Susanne Kressenstein
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft: Der Tumor von jedem sechsten Patienten, der wegen Beschwerden seinen Hausarzt aufsucht, könnte schon früher diagnostiziert werden. Die vorliegende Studie aus Schweden zeigt, warum das so schwierig ist. Über die Hälfte der Patienten mit den häufigsten Krebserkrankungen suchten im Jahr vor der Diagnose mindestens viermal ihren Hausarzt auf, so das Ergebnis. Anfangs mit eher diffusen Beschwerden, im Laufe der Zeit dann mit immer typischeren Symptomen. 

Hintergrund: Viele Krebserkrankungen werden erst recht spät diagnostiziert. Eine Reihe verdächtiger Befunde sollten den Hausarzt aufhorchen lassen. Die Autoren schildern, was eine frühzeitige Diagnosestellung erschwert.

Design: Ausgewertet wurden hier im Rahmen einer Fall-Kontroll-Studie die Krankenakten von über 2.500 Patienten von der Universität Göteborg und dem schwedischen Krebsregister. Es handelte sich hierbei um Personen mit den Tumorentitäten Brust-, Prostata-, Darm- Lungen- und Hautkrebs und gynäkologischen Malignomen. Als Kontrolle dienten die Krankenakten von über 9.400 Patienten aus einer regionalen Gesundheitsdatenbank mit möglichst ähnlichen gesundheitlichen Merkmalen (mit Ausnahme des Malignoms).

Im Folgenden wurde ein Quotient aus der Wahrscheinlichkeit für das Auftreten bestimmter Symptome bei Tumorpatienten und den anderen Patienten ermittelt. Diese Likelihoodratio oder kurz LR gibt an, um wie viel Mal häufiger ein positives Testresultat bei Personen mit Erkrankung vorkommt im Vergleich zu Personen ohne Erkrankung. 

Ergebnisse: 56 Prozent der Tumorpatienten suchten im Jahr vor ihrer Diagnose vier Mal oder häufiger ihren Hausarzt auf. Die höchsten LR-Werte ergaben sich für Knoten in der Brust (LR von 11,9), Abnormitäten der Plasmaproteine (5,0) und pathologische Enzymwerte im Serum (4,6). 

Die Auswertung ergab, dass es sich bei sechs der zehn dokumentierten Diagnosecodes mit dem höchsten LR um Alarmsymptome handelte. Von Bedeutung waren hier neben Knoten in der Brust beispielsweise auch intraabdominale Umfangsvermehrungen, Veränderungen am Anus und am Rektum und postmenopausale, gastrointestinale oder rektale Blutungen. Insgesamt waren von den zehn häufigsten Befunden vier den Alarmsymptomen zuzurechnen.

Klinische Bedeutung: Hätte die Diagnose Krebs schon früher gestellt werden können? Unter dem Strich waren 17 Prozent der Befunde, die nach im Nachhinein der Tumorerkrankung zugeordnet wurden, bereits bei den ersten beiden Arztbesuchen vorhanden.

Beispiel Brustkrebs: In der Tat wurde bei 95 Prozent der Frauen der Knoten tatsächlich erst bei dem vierten Arztbesuch dokumentiert. Bei rund fünf Prozent jedoch lag schon beim ersten oder zweiten Besuch ein tastbarer Knoten vor. Vor der Diagnose erfolgten also noch mindestens zwei weitere Besuche beim Hausarzt. Beispiel rektale Blutungen: Lediglich bei jedem zehnten Patienten wurde dieser Befund schon nach den ersten beiden Visiten festgehalten. Bei der überwiegenden Zahl der Patienten jedoch erst beim vierten Besuch.

Die Autoren fragen sich, warum auch bei – auf ein malignes Geschehen hindeutenden Symptomen –  oft noch weitere Besuche beim Hausarzt erfolgen und kommen hier zu folgendem Ergebnis: Eventuell werden auffällige Eiweiß- oder Enzymwerte nicht schnell genug abgeklärt. Es könnte jedoch auch sein, dass es während deren Abklärung bereits zu einer weiteren Visite kam, weil es den Patienten bereits so schlecht ging. Viele Symptome veranlassen Hausärzte jedoch auch erstmal dazu abzuwarten. Oder aber die weiteren Arztbesuche erfolgten gar nicht wegen Beschwerden, die mit dem Tumor zu tun hatten. Die Autoren betonen die Schwierigkeit, vor der Hausärzte tagtäglich stehen: Unter den Patienten, die oftmals völlig ähnliche Symptome aufweisen, die wenigen heraus zu filtern, bei denen es sich um eine Krebserkrankung handeln könnte. 

Finanzierung: keine