Frühchen und untergewichtige Babys haben als Erwachsene seltener eine Liebesbeziehung

  • JAMA Network Open

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine Meta-Analyse von 21 Studien ergibt, dass Menschen die zu früh oder mit niedrigem Gewicht geboren wurden im Vergleich zu Kontrollen als Erwachsene weniger häufig eine Liebesbeziehung haben oder Geschlechtsverkehr, und dass sie seltener Eltern werden.

Hintergrund

Die Datenlage zur Assoziation von Frühgeburten und niedrigem Geburtsgewicht mit sozialen Beziehungen im Erwachsenenalter sind widersprüchlich.

Design

Systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse anhand von Artikeln mit Peer Review, die bis August 2018 in 4 Literaturdatenbanken (PubMed, PsycINFO, Web of Science und Embase) gefunden wurden. Ausgewählt wurden prospektive Langzeit- und Registerstudien, bei denen die ausgewählten sozialen Parameter „in einer Partnerschaft“, „hatte jemals Geschlechtsverkehr“, „Elternschaft“ oder „soziale Unterstützung“ frühestens im Alter von durchschnittlich 18 Jahren erfasst und mit Kontrollen ohne Geburtsprobleme verglichen wurden.

Ergebnisse

  • Unter den 1829 überprüften Artikeln wurden 21 in die Meta-Analyse eingeschlossen. Sie enthielten Daten zu mehr als 4 Millionen Erwachsenen, darunter ca. 180.000, die zu früh oder mit niedrigem Geburtsgewicht auf die Welt kamen.
  • Im Vergleich zu den Kontrollen hatten die früh und untergewichtig Geborenen seltener eine Liebesbeziehung gehabt. Das Chancenverhältnis OR betrug 0,72 (95%-Konfidenzintervall 0,64 – 0,81).
  • Die Wahrscheinlichkeit, Geschlechtsverkehr gehabt zu haben, war ebenfalls erniedrigt: OR 0,43; 95%-KI 0,31 – 0,61).
  • Schließlich hatten die Menschen die frühzeitig oder mit Untergewicht geboren wurden, auch seltener Kinder (OR 0,77; 95%-KI 0,65 – 0,91).
  • Für die Liebesbeziehungen und die Elternschaft bestand eine Dosis-Wirkungsbeziehung mit dem Ausmaß der Unreife bei der Geburt.
  • Bei jenen früh und untergewichtig Geborenen, die einen Partner hatten oder  Freundschaften unterhielten, war die Qualität dieser Beziehungen nicht schlechter als in der Kontrollgruppe.

Klinische Bedeutung

In der Diskussion weisen die Autoren darauf hin, dass die Befunde im Einklang mit der zunehmenden Anerkennung der Bedeutung früher Lebenseinflüsse auf das Erwachsenenleben sind, und außerdem mit einem „Frühgeburt-Phänotyp“, der mit größeren Schwierigkeiten einhergeht, Bindungen einzugehen. Zweifellos handelt es sich um eine vulnerable Gruppe, die besondere Aufmerksamkeit verdient. Ob oder wie lange die beschriebenen Effekte anhalten, bleibt angesichts der Heterogenität der zugrunde liegenden Studien und der teils kleinen Fallzahlen bei spezifischen Fragestellungen leider unklar, und sollte in Langzeituntersuchungen mit einheitlichen Kriterien geklärt werden.

Finanzierung: EU Horizon 2020-Programm und Norface Network DIAL-Programm.