Frauen mit rheumatoider Arthritis haben ein vermindertes Brustkrebsrisiko

  • Ann Rheum Dis

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Patientinnen mit rheumatoider Arthritis erkranken seltener an Mammakarzinomen als der Durchschnitt der weiblichen Bevölkerung. Wenn eine Brustkrebserkrankung vorliegt und Frauen eine endokrine Therapie erhalten, erhöht sich dadurch umgekehrt nicht das Risiko für eine rheumatoide Arthritis. In Bezug auf dieses Risiko ist also eine Behandlung mit Tamoxifen oder Aromatasehemmern sicher.

Hintergrund
Circa 10 % der Frauen erhalten im Verlauf ihres Lebens die Diagnose „Brustkrebs“. Die rheumatoide Arthritis (RA) betrifft nach Angaben des Robert Koch-Instituts circa 0,8 % der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland, Frauen etwa doppelt so häufig wie Männer. Bisher gab es wenig Daten zur Frage, ob und wenn ja wie die Risiken für die Erkrankungen jeweils miteinander assoziiert sind. Ein große Registerstudie aus Schweden liefert dazu nun Daten.

Design

  • Datenbasis sind mehrere nationale Register Schwedens
  • 15 921 Frauen mit der Neudiagnose RA in den Jahren 2006–2016 wurden identifiziert und jede Patientin in einem Fallkontrolldesign mit 5 Kontrollen aus der allgemeinen Bevölkerung gematcht (n = 79 441)
  • das Matching erfolgte für relevante Parameter wie Alter, Wohnort, Risikofaktoren für ein Mammakrzinom, Diagnose eines Mammakarzinoms und soziodemographischer Status
  • es wurde das relative Risiko für Brustkrebs nach einer RA-Diagnose über eine COX-Regressionsanalyse ermittelt

Hauptergebnisse
Das multifaktoriell adjustierte Risiko für ein Mammakarzinom war in der Kohorte mit rheumatoider Arthritis reduziert (Hazard Ratio [HR]: 0,80; 95-%-KI: 0,68 bis 0,93). Ähnlich vermindert war umgekehrt das Risiko für eine RA bei Brustkrebs in der Anamnese (HR: 0,87; 95 %-KI: 0,79 bis 0,95). Die Subgruppe der Frauen mit hormonrezeptorpositivem Malignom, die adjuvant Tamoxifen oder einen Aromatasehemmer erhalten hatten, hatte im Vergleich mit Frauen ohne endokrine Behandlung ebenfalls kein erhöhtes Mammakarzinomrisiko. In Bezug auf das RA-Risiko sind diese Substanzen also sicher.

Klinische Bedeutung
In der Beratung von Patientinnen mit rheumatoider Arthritis lässt sich auf Basis dieser großen Kohorten- und Fallkontrollstudie vermitteln, dass das Risiko für Brustkrebs nicht erhöht ist, sondern – im Gegenteil – leicht reduziert. Die Gründe für diese negative Assoziation sind aus Sicht der Autoren unklar.

Finanzierung: öffentliche Mittel