Framingham-Studie zeigt leicht Abnahme intrazerebraler Blutungen in den letzten 30 Jahren

  • JAMA Neurology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Patienten über 75 Jahren haben ein fast 4-fach erhöhtes Risiko für Hirnblutungen. Das Risiko steigt mit dem Blutdruck und zudem mit dem Gebrauch von Statinen sowie  bei lobärer Lokalisation mit der Präsenz zweier Allele für das Apolipoprotein E ε4.

Hintergrund

Unter allen Schlaganfall-Typen haben intrazerebrale Blutungen (ICH) die höchste Mortalität, und sie sind gleichzeitig die wichtigsten Komplikation bei einer anti-koagulativen Therapie. Die Daten zur Inzidenz und zu lokations-spezifischen Risikofaktoren auf Populationsebene sind allerdings widersprüchlich, schreiben die Autoren der aktuellen Studie.

Design

Ziel dieser Studie war es, langfristige Trends in der ICH-Inzidenz zu erfassen und die Blutungen nach Lokalisation zu stratifizieren. Die Forscher nutzten dazu die Daten von 10.333 Probanden und deren Kindern, die im Rahmen der Framingham Heart Study zwischen 1948 und 2016 gewonnen wurden. 129 Teilnehmer hatten ein primäres ICH-Ereignis, darunter konnten 99 in die zweifach verschachtelte Fall-Kontroll-Studie einbezogen werden. 55 Patienten mit lobären ICH und 44 Patienten mit tiefen ICH wurden dabei jeweils im Verhältnis 1:4 Kontrollen des gleichen Alters und Geschlechts aber ohne Schlaganfall gegenübergestellt.

Ergebnisse

  • Bei einer Nachverfolgungszeit von 301.282 Personenjahren betrug die Inzidenzrate 43 Fälle / 100.000 Personenjahre. Nicht adjustiert nahm sie in der Zeit zwischen 1948 und 2016 zu, adjustiert jedoch nahm sie im Vergleich der Zeiträume 1987 – 1999 (Periode 2) und 2000 – 2016 (Periode 3) geringfügig ab.
  • Die alterstratifizierte Analyse zeigte einen stetigen Zuwachs der Inzidenz bei Patienten ab 75 Jahren; sie erreicht in der jüngsten Beobachtungsperiode 176 Fälle / 100.000 Personenjahre.
  • Der Gebrauch von Antikoagulanzien stieg zwischen Periode 2 und Periode 3 etwa auf das 3-fache: Von 4,4 auf 13,9 %.
  • Beide Formen der ICH nahmen mit dem Alter zu. Dabei war ein erhöhter systolischer und diastolischer Blutdruck sowie der Gebrauch von Statinen mit der Inzidenz von tiefen ICH assoziiert (Chancenverhältnis OR 4,07; 95%-Konfidenzintervall 1,16 – 14,21; P = 0,03). Ebenfalls für höheren Blutdruck sowie das Vorliegen zweier Allele des Apolipoproteins E ε4 bestand eine Assoziation mit lobären ICH (OR 3,66; 95%-KI 1,28 – 10,43; P = 0,02).

Klinische Bedeutung

Die außerordentlich lange Nachbeobachtungszeit von mehr als 60 Jahren für Teilnehmer der Framingham-Studie belegt die Zunahme von ICH mit dem Alter bei beiden Geschlechtern, sowie altersadjustiert eine relativ stabile Inzidenz von ICH in den vergangenen 30 Jahren. Dies sei wahrscheinlich auf Verbesserungen bei der Primär- und Sekundärprävention zurückzuführen, spekulieren die Autoren. Ob dies auch auf Regionen mit anderen sozioökonomischen Verhältnissen wie in Framingham zutrifft, ist jedoch nicht sicher.

Finanzierung: National Institute of Neurological Disorders and Stroke, National Institute on Aging, National Heart, Lung, and Blood Institute.