Fortgeschrittenes Prostatakarzinom: Immuntherapie wirkt gut bei jedem Zweiten mit Mikrosatelliten-Instabilität


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Hohe Mikrosatelliten-Instabilität (MSI-H) oder Mismatch-Repair Deficiency ( d MMR) können Folge einer Keimbahnveränderung sein, sie können sich aber auch als somatische Veränderungen beim Entstehen und im weiteren Verlauf der Tumorentwicklung ausbilden. Circa 3 % der Prostatakarzinome sind MSI-H oder d MMR. Fast die Hälfte dieser Subgruppe spricht längerfristig auf eine Checkpoint-Inhibit ion an. Deshalb sollte bei Patienten mit metastasiertem Prostatakarzinom, für die grundsätzlich eine Immuntherapie in Frage kommt, nach der Diagnose auf MSI-H und MMR getestet werden.

Hintergrund

Immuntherapien sind zu einer wichtigen Säule bei der Behandlung von Malignomen geworden. Hohe Mikrosatelliten-Instabilität (MSI-H) oder Mismatch-Repair Deficiency (dMMR) sind mit Eigenschaften wie der Ausbildung von Neoantigenen assoziiert, die den Tumor für das Immunsystem als entartet erkennbar machen. Die Ansprechraten auf Checkpoint-Inhibitoren sind bei MSI-H-Tumoren erhöht, und auf dieser Basis ist 2017 der PD-1-Inhibitor Pembrolizumab in den USA für die Therapie bei Malignomen mit MSI-H zugelassen worden – unabhängig von der Entität. Auch in Europa ist Pembrolizumab für verschiedene Tumore zugelassen, nicht aber für das Prostatakarzinom. Eine Studiengruppe am Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York hat seriell bioptisches Material metastasierter Prostatakarzinome auf MSI-H und dMMR untersucht Gescreent wurde auf spontane somatische Mutationen, und bei einem Teil der Probanden auch auf Keimbahnveränderungen.

Design

  • 1.551 Tumoren von 1.346 Patienten konnten auf MSI-H und dMMR gescreent werden
  • Methoden waren verschiedene Varianten des Next Generation Sequencing (NGS) und immunhistochemische Verfahren

Hauptergebnisse

Von 1.033 Patienten, bei denen die molekularbiologischen Untersuchungen von ausreichend hoher Qualität waren, hatten 3,1 % (n = 32) einen MSI-H- oder einen dMMR-Status. 7 dieser 32 Patienten (22 %) hatten Keimbahnveränderungen in einem Gen, das mit dem Lynch-Syndrom assoziiert ist. 11 vorbehandelte Patienten mit kastrationsresistenten MSI-H/dMMR-Tumoren erhielten einen Checkpoint-Inhibitor (Anti-PD-1 oder Anti-PD-L1).

Bei 6 der 11 Patienten (54,5 %) fiel daraufhin der PSA-Wert anhaltend um > 50 % ab, bei 4 Patienten verminderte sich die Tumormasse auch radiologisch. 5 der 11 Patienten (45 %) sprachen für mehr als 89 Wochen auf die Immuntherapie an.

Klinische Bedeutung

Der molekulare Phänotyp MSI-H/dMMR ist beim Prostatakarzinom zwar selten, er ist aber klinisch relevant, da circa die Hälfte der Patienten mit diesen Tumoren auch im fortgeschrittenen Stadium gut auf Checkpoint-Inhibitoren ansprechen. Die Autoren empfehlen, beim Prostatakarzinom prospektiv auf MSI-H und dMMR zu screenen und diese Subgruppe von Patienten intensiver in klinische Studien einzuschließen.

Finanzierung: Stiftungsmittel