Fortgeschrittenes Prostatakarzinom: erfolgreiche Androgendeprivation mit Relugolix


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Der oral verabreichte Gonadotropin-Releasing-Hormone-Antagonist Relugolix hat sich in einer randomisierten Vergleichsstudie bei Männern mit fortgeschrittenen Prostatakarzinomen und der Indikation für eine Androgen-Deprivationstherapie gegenüber dem LHLR-Antagonisten Leuprorelin als schneller und stärker wirksam erwiesen, und führte nur halb so oft zu schweren kardiovaskulären Nebenwirkungen.

Hintergrund

Für die Androgendeprivation bei Patienten mit Prostatakrebs werden in der Regel Agonisten des luteinisierenden Hormons (LHRH) wie zum Beispiel Leuprorelin verabreicht. Allerdings führt dies initial zu einem Anstieg des Testosterons, und erst mit Verzögerung zu einem therapeutischen Effekt. Die Wirksamkeit und Sicherheit einer alternativen Behandlungsoption - des oralen Gonadotropin-Releasing-Hormone-Antagonisten Relugolix – ist bisher nicht bekannt.

Design

HERO ist eine multinationale, offene Studie der Phase 3 mit 930 Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs, die im Verhältnis 2:1 auf Relugolix (täglich 120 mg oral) bzw. Leuprorelin (Injektionen alle 3 Monate) randomisiert wurden. Die Behandlung erfolgte über 48 Wochen; primärer Endpunkt war die anhaltende Absenkung des Testosterons auf weniger als 50 ng/DL („Kastrationsspiegel“).

Ergebnisse

  • Den angestrebten Testosteronspiegel erreichten bis zur 48. Woche 96,7 % der Männer unter Relugolix, und 88,8 % unter Leuprorelin.
  • Die Differenz von 7,9 Prozentpunkten zugunsten Relugolix hatte ein 95%-Konfidenzintervall von 4,1 – 11,8, und belegte damit sowohl den sekundären Endpunkt der Nicht-Unterlegenheit als auch die Überlegenheit (P
  • Bei den anderen sekundären Endpunkten (Kastrationsspiegel an Tag 4, profunde Absenkung
  • In einer Untergruppe von 184 Patienten wurde der Anstieg der Testosteronspiegel 90 Tage nach Absetzen der Therapie gemessen. Die mittleren Werte betrugen 288 ng / DL unter Relugolix, und 58,6 ng / DL unter Leuprorelin.
  • Die Inzidenz schwerer kardiovaskulärer Nebenwirkungen unter Relugolix betrug 2,9 %, unter Leuprorelin 6,2 % (Chancenverhältnis HR 0,46, 95%-KI 0,24 – 0,88).

Klinische Bedeutung

Obwohl der GnRH-Signalweg bereits im Jahr 1971 entdeckt wurde, war es nicht gelungen, sichere und effektive Agonisten zu entwickeln, sodass die Hemmung des LHRH zum Standard wurde. Womöglich wurde jetzt mit der Entwicklung des oralen GnRH-Hemmers Relugolix eine Zäsur erreicht, denn das Präparat war in dieser Studie schneller und stärker wirksam als die Vergleichsmedikation und führte nur halb so oft zu schweren kardiovaskulären Nebenwirkungen. Studien mit längeren Nachverfolgungszeiten scheinen notwendig, um das vergleichsweise günstige Profil von Relugolix zu bestätigen.

Finanzierung: Myovant Sciences.