Fortgeschrittenes Nierenzellkarzinom: klarer Zusatznutzen für doppelte Checkpointhemmung


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Für Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom und mittlerem Rezidivrisiko hat eine Kombination aus Nivolumab plus Ipilimumab einen beträchtlichen Zusatznutzen gegenüber Sunitinib als Standard. Die in der CheckMate214-Studie (1, 2) belegten Vorteile beim Gesamtüberleben, der Symptomatik und der gesundheitsbezogenen Lebensqualität werden nicht durch gravierende Nachteile aufgehoben, so das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG; [3]). Für Patienten mit mindestens 3 Risikofaktoren und entsprechend ungünstiger Prognose sieht das IQWiG sogar einen erheblichen Zusatznutzen in einer dualen Checkpointinhibiton gegenüber der Vergleichstherapie mit Sunitinib.

Hintergrund

Jährlich erkranken in Deutschland circa 15.000 Menschen an einem Nierenkarzinom, davon 96 % am Nierenzellkarzinom (4). Obwohl sich das Spektrum der Therapieoptionen für diese Indikation in den letzten Jahren deutlich erweitert hat, sind die altersstandardisierten 5-Jahres-Krebsüberlebensraten mit 77 % nur leicht besser geworden. Das Wirkprinzip der Checkpointinhibiton, einer krebsunspezifischen Verstärkung der körpereigenen immune surveillance, hat sich bei Nierenzellkarzinomen schon in frühen Phasen der klinischen Entwicklung als erfolgversprechend erwiesen. Nun hat das IQWiG die Studienlage insgesamt unter dem Aspekt des klinischen Nutzens bewertet.

Design

Bewertung des Gesamtnutzens der Therapie nach § 35a SGB V auf Basis einer umfassenden Auswertung klinischer Studien

Hauptergebnisse

Die Bewertung des IQWiG basiert unter anderem auf dem Studienprogramm CheckMate214, einer randomisierten, kontrollierten Phase-3-Prüfung. Darin wurden die Kombination aus Nivolumab (Nivo) plus Ipilimumab (Ipi) bei unvorbehandelten Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasierten Nierenzellkarzinom in Bezug auf Wirksamkeit und Sicherheit mit Sunitinib als einem Standard verglichen.

Das 18-Monate-Gesamtüberleben betrug in der Gruppe mit dualer Checkpointinhibition 75 % und in der Sunitinibgruppe 60 % (1). Das mediane Gesamtüberleben war nach einem medianen Follow-up von 25,2 Monaten unter Nivo/Ipi noch nicht erreicht und lag unter Sunitinib bei 26,0 Monaten. Das Risiko für eine Verschlechterung krankheitsspezifischer Symptome und der Lebensqualität reduzierte sich bei Nivo/Ipi im Vergleich zu Sunitinib signifikant, und zwar um 46 % beziehungsweise 25 % (2).

Klinische Bedeutung

Die randomisierte kontrollierte Studie CheckMate 214 war nach der ersten Interimsanalyse vorzeitig beendet worden, weil die Ergebnisse zum Gesamtüberleben eindeutig und statistisch signifikant zugunsten der Kombination ausfielen, so das IQWiG (3). Bei den Nebenwirkungen habe es sowohl positive, als auch negative Effekte von ungefähr gleicher Stärke gegeben. Das Fazit für diese Endpunktkategorie laute: "Ein höherer oder geringerer Schaden ist nicht belegt". Insgesamt sei der Zusatznutzen für Nivolumab plus Ipilimumab je nach Risiko-Kategorie „beträchtlich“ oder sogar „erheblich“.

Finanzierung: Firmenförderung (CheckMate214), öffentliche Mittel (IQWiG)