Fortgeschrittenes Cervix-Karzinom: Ermutigende Resultate nach Chemotherapie plus HPV-Impfung

  • Science Translational Medicine

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Die Hypothese, dass eine Impfung gegen das humane Papillomavirus 16 bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Cervixkarzinom zusätzlich zu einer Chemotherapie mit Carboplatin/Paclitaxel das Ansprechen verbessern könnte, scheint sich zu bestätigen, so das Resultat einer Studie der Phase 1/2 mit 77 Patientinnen.

Hintergrund

Nach Impfungen gegen das Humana Papillomavirus (HPV) konnten Wissenschaftler einen anhaltenden Rückgang der anogenitalen Läsionen beobachten, die insbesondere durch den prämalignen onkogenen Typ 16 (HPV 16) verursacht werden. Allerdings seien, so die Autoren, bei der Behandlung von durch HPV-16 induzierten Karzinomen auch Maßnahmen gegen die Krebs-induzierte Suppression des Immunsystems erforderlich. Sie konnten in früheren Arbeiten bereits zeigen, dass eine Carboplatin/Paclitaxel-basierte Chemotherapie die abnormal hohen Zahlen immunsuppressiver myeloider Zellen reduzieren kann, und dass dadurch nach einer HPV-16-Impfung eine deutlich stärkere Tumorimmunität induziert wird. Jetzt sind sie der Frage nachgegangen, wie sich eine Impfung während der Chemotherapie auswirkt.

Design

Pilotstudie der Phase 1/2 zur Dosisfindung mit der HPV16-Vakzine ISA101 mit 77 Patientinnen an belgischen und holländischen Kliniken, die an einem fortgeschrittenen, metastasierten oder rekurrenten Cervix-Karzinom erkrankt waren. Sie erhielten den Impfstoff jeweils 2 Wochen nach dem 2., 3., und 4 Zyklus einer Carboplatin/Paclitaxel-haltigen Chemotherapie, in Dosierungen von 20, 40, 100 oder 300 µg, mit oder ohne pegyliertes Interferon.

Ergebnisse

  • Fast alle Patientinnen erlitten Nebenwirkungen durch die Chemotherapie. Darüber hinaus berichteten etwa 80 % über Nebenwirkungen, die wahrscheinlich oder sicher mit der Vakzine zusammenhingen, bis auf eine Ausnahme (Grad 3) aber alle den Schweregraden 1 oder 2 zugeordnet wurden. Zum Studienabbruch führten die Nebenwirkungen bei weniger als 16 % der Studienteilnehmerinnen.
  • Die Chemotherapie reduzierte die Zahl immunsuppressiver myloider Zellen und erlaubte dadurch eine bessere Stimulation der Immunantwort mit ISA101.
  • 43 % der Patientinnen erreichten eine Tumorregression, bei weiteren 43 % stabilisierte sich die Erkrankung.
  • Patientinnen, die eine stärkere Immunantwort gegenüber der Vakzine hatten (über dem Median), überlebten Mediane 16,8 Monate, bei schwächeren Reaktionen waren es 11,2 Monate. Ob sie pegyliertes Interferon erhielten oder nicht machte keinen Unterschied, und auch die Dosis des Impfstoffes hatte keinen ersichtlichen Einfluss.
  • Unter den 14 Patientinnen, die am Ende der Studie noch am Leben waren, hatten 11 eine starke Reaktion auf die Impfung gezeigt, und 9 mit einem Stadium von 4a oder 4b hatten eine durchschnittliche Überlebenszeit von 3 Jahren.

Bedeutung

Die Kombination von Chemotherapie plus HPV-16-Impfung beim fortgeschrittenen Cervic-Karzinom erweist sich in dieser Pilotstudie als vielversprechender Ansatz. „Im Allgemein war ISA101 sicher und gut verträglich und das Sicherheitsprofil nicht verschieden vom einer alleinigen Chemotherapie“, schreiben die Forscher. Ihr Ansatz könne womöglich auch auf andere Krebsarten übertragen werden, zum Beispiel indem man die Bestandteile des Impfstoffes durch entsprechende Tumor-assoziierte Antigene ersetzt.

Finanzierung: Niederländische Krebsgesellschaft, ISA Pharmaceuticals.