Forscherkonsortium zeigt regionale Unterschiede bei der Kindersterblichkeit in armen Ländern


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Aus den Ergebnissen von Umfragen und Geodaten zu 16 Millionen Geburten haben Forscher die Kindersterblichkeit bis 5 Jahren in 99 Ländern mittleren und geringen Einkommens auf regionaler Ebene modelliert. Den Daten zufolge starben 2017 etwa 5 Millionen Kinder unter 5 Jahren – ein Rückgang um 41% gegenüber dem Jahr 2000.

Hintergrund

Eines der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen ist es, bis zum Jahr 2030 vermeidbare Todesfälle unter Neugeborenen und Kindern bis 5 Jahren weltweit zu verhindern. Alle Länder sollten dazu die Neugeborenensterblichkeit mindestens unter den Zielwert von 12/1000 Lebendgeburten senken, und die Sterblichkeit der bis 5 Jahre alten Kinder unter 25/1000. Um unterversorgte Gebiete zu erkennen und die Ressourcen möglichst effizient einsetzen zu können, hat man hier Schwankungen der Mortalität auf subnationaler Ebene abgeschätzt.

Design

Die Schätzungen wurden für die subnationalen Gebiete von 99 Ländern geringen bis mittleren Einkommens (LMICSs) für jedes Jahr von 2000 bis 2017 erstellt. Dazu wurde ein geostatistisches Modell zur Risikoberechnung („geostatistical discrete hazards model“) auf einen Datensatz aus 467 Umfragen und Erhebungen zu 15,9 Millionen Geburten und 1,1 Millionen Todesfällen mit bekannten Ortsangaben angewandt.

Ergebnisse

  • In absoluten Zahlen starben in den untersuchten Ländern 2017 etwa 5 Millionen Kinder unter 5 Jahren. Dies entspricht trotz anhaltenden Bevölkerungswachstums einer Reduktion um 41% gegenüber dem Wert von 2000 (8,5 Millionen).
  • Die Sterblichkeit unter 5 Jahren pro 1000 Lebendgeburten (U5MR) variiert weltweit und innerhalb einzelner Länder enorm: Unter den 99 hier untersuchten Ländern war sie am höchsten in der Zentralafrikanischen Republik mit 123,9 (95%-Konfidenzintervall 104,9–148,2), und am niedrigsten in Kuba mit 5,1 (95%-KI 4,4–6,0). Der Unterschied entspricht einem Faktor von 24.
  • Innerhalb einzelner Länder waren die Unterschiede verschieden groß. Für Vietnam nennen die Autoren einen Faktor von 5,7 mit der geringsten U5MR von 6,9 (95%-KI 4,6–9,8) in Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon), und der höchsten Rate von 39,7 (95%-KI 28,1–55,6) im nordwestlich gelegenen Mường Tè District.
  • Zwischen 2000 und 2017 hat die Kindersterblichkeit in allen untersuchten Regionen mehr oder weniger stark abgenommen. Ein statistisch signifikanter Rückgang wurde bei 60,3% der 17.554 untersuchten Flächen festgestellt. Der Anteil von Gebieten mit einem U5MR > 80 reduzierte sich im Untersuchungszeitraum von 28,9% auf 7%.
  • Etwa ein Drittel der untersuchten Flächen, die 11,9% der unter Fünfjährigen in den untersuchten Ländern repräsentieren haben das Nachhaltigkeitsziel der Vereinten Nationen für 2030 bereits erreicht.

Klinische Bedeutung

Angesichts der Schwierigkeiten bei Datenerhebungen in armen Ländern liefert diese Studie wohl die derzeit bestmöglich Abschätzung der Kindersterblichkeit auf subnationaler Ebene für die am stärksten betroffenen Regionen. Sie wird damit zu einem wichtigen Instrument, um Interventionsprogramme zu planen und dem UN-Ziel von Null vermeidbaren Kindstoten bis zum Jahr 2030 näher zu kommen.

Finanzierung: Bill & Melinda Gates Foundation.