Folgen des Klimawandels: mehr Hitzetote in Deutschland


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei der Anzahl der Hitzetoten in Deutschland reichte die Bandbreite im Zeitraum 2001 bis 2015 von 300 jährlich (2011) bis zu 7.600 im Jahr 2003. Zwischen der Zahl der Hitzetoten pro Woche und der durchschnittlichen Außentemperatur gab es eine direkte Assoziation. Deutsche Gesundheits- und Umweltbehörden fürchten, die Zahl der Hitzewellen - und mit ihr die der Hitzetoten - könnte durch einen anhaltenden Klimawandel weiter zunehmen.

Hintergrund
Elf der extremsten Hitzewellen in Deutschland seit 1950 traten nach der Jahrtausendwende auf. Dazu gehörten die Sommer der Jahre 2003, 2006, 2013, 2015 und 2018 . Hitzewellen werden von der Weltgesundheitsorganisation als bedeutendes Gesundheitsrisiko eingestuft. Fragestellung einer gemeinsamen Untersuchung des Robert Koch-Instituts in Berlin , des Deutschen Wetterdienstes und der Charité Berlin war, ob sich ein sy stematische r Zusammenhang zwischen der Wärmebelastung der deutschen Bevölkerung und einer erhöhten Mortalität belegen lässt.

Design

  • Analyse der wöchentlichen Gesamtsterblichkeit in Deutschland auf Basis der Zahlen des Statistischen Bundesamtes und gegliedert nach Bundesländern
  • Analyse der Wetterdaten aus dem Bodenmessnetz des Deutschen Wetterdienstes, auf deren Grundlage die Temperatur-Mittelwerte für die Regionen und die mittlere Temperatur pro Woche (Wochenmitteltemperaturen) ermittelt wurden
  • Beobachtungszeitraum: 2001 bis 2015

Hauptergebnisse

Der Verlauf der Mortalität ließ sich mit der Wochenmitteltemperatur am besten erklären, so das Fazit aus der Studie (1). Ab einem Schwellenwert von 20°C liegt die Maximaltemperatur in der jeweiligen Woche meist über 30°C. Die Zahl der Hitzetoten stieg ab einer Wochenmitteltemperatur von circa 23°C exponentiell an: am stärksten in der Altersgruppe der über 85 jährigen, aber auch in anderen Altersgruppen (

Die höchste Anzahl hitzebedingter Todesfälle in Deutschland gab es im Sommer 2003 mit 7.600. Es folgten die Sommer 2006 mit 6.200 Hitzetoten, 2015 mit 6.100 Hitzetoten und 2010 mit 3.700 Hitzetoten. In den übrigen Jahren lag deren Zahl zwischen 300 im Jahr 2011 und 1.600 im Jahr 2005.

Klinische Bedeutung

Die Gesundheitsgefährdung durch Extremwetterlagen könnte in Zukunft weiter zunehmen, resümieren die Untersucher. Die größten gesundheitlichen Auswirkungen der Hitze betrafen in Deutschland die Altersgruppen 75–84 und 85+. Es sei eine wichtige Aufgabe der Ärzte und besonders auch der Hausärzte, Risikopatienten zu identifizieren und deren Unterstützung mitzuorganisieren, zum Beispiel durch die ambulante Pflege (2). Ursachen für einen hitzebedingten Tod seien Herzkreislaufstörungen, Nierenversagen, Atemwegserkrankungen und Stoffwechselentgleisungen.

Finanzierung: öffentliche Mittel