Fokale Dystonien: Botox-Präparate unterscheiden sich bei der Induktion neutralisierender Antikörper


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Intramuskuläre Injektionen von Botolinumtoxin zur Linderung fokaler Dystonien scheinen den gleichen Prinzipien wie eine Impfung zu folgen, und alle dafür relevanten Faktoren spielen offenbar eine Rolle bei der Immunisierung durch neutralisierende Antikörper (NAB), so das Ergebnis der Auswertung von 596 nicht selektierten Patienten. Die größte Rolle spielten die Dosis pro Sitzung und die Formulierung des Präparates.

Hintergrund

Botolinumtoxin gilt als Therapie der Wahl für die meisten Patienten mit einer fokalen Dystonie, jedoch können mehrmalige Injektionen NAB induzieren, die den Behandlungserfolg gefährden.

Design

Querschnittsstudie zur Prävalenz von NAB bei 596 konsekutiven Patienten mit verschiedenen Indikationen, die an der Neurologischen Klinik der Universität Düsseldorf innerhalb eines Jahres mindestens 4 Injektionen erhalten hatten und noch auf die Behandlung ansprachen. Gefragt wurde dabei unter anderem nach dem Einfluss der Indikation bzw. der Lokalisation, Dauer und Dosis der Injektionen auf die Häufigkeit von NAB.

Hauptergebnisse

  • 83 der 596 Patienten (13,9 %) hatten im ELISA nachweisbare NAB.
  • Die mittlere Einzeldosis, Prävalenz, und die geschätzte Prävalenz nach 10 Jahren Behandlungsdauer in den 5 untersuchten Gruppen betrugen:
    • fazialer Hemispasmus 82 U / 0 % / 0 %
    • Blepharospasmus 112 U / 5,6 % / 9,9 %
    • zervikale Dystonie 641 U / 15,7 % / 27,9 %
    • andere Dystonien (einschließlich Meige Syndrom, oromandibuläre und oropharyngeale Dystonie, Extremitätendystonie und generalisierte Dystonie) 356 U / 17,3 % / 60,3 %
    • spasmische Dystonie 957 U / 15,2 % / 47,1 %
  • Die Wahrscheinlichkeit für die Präsenz von NAB erhöhte sich mit der Einzeldosis und mit der kumulierten Dosis.
  • Darüber hinaus hatte lediglich die Formulierung des Botolinum Toxins Typ A einen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit für neutralisierende Antikörper: Für Patienten unter inco-BoNT/A (Xeomin) waren es 0 %, mit abo-BoNT/A (Dysport) und ona-BoNT/A (Botox) dagegen 6 % bzw. 7 %,
  • Alle anderen analysierten Faktoren, einschließlich der Indikation und der Behandlungsdauer, hatten dagegen keinen Einfluss.

Klinische Bedeutung

In der bislang größten Studie zur Prävalenz neutralisierender Antikörper nach einer Behandlung mit Botulinum-Toxin bei nicht selektierten Patienten führten wiederholte Injektionen zu einem größeren Risiko. Um dieses Risiko unabhängig von der Indikation zu verringern, raten die Autoren dazu, Booster-Injektionen und kurze zeitliche Abstände zwischen den Behandlungen zu vermeiden, sowie die individuellen Dosen zu verkleinern.

Finanzierung: Merz Pharmaceuticals.