Finnische Kohortenstudie: deutlich mehr psychiatrische Diagnosen bei Jugendlichen


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Ein Vergleich der Geburtsjahrgänge 1987 und 1997 zeigt, dass finnische Jugendliche häufiger mit psychiatrischen Erkrankungen diagnostiziert werden. Das möglicherweise verbesserte Angebot wurde aber von Suizidkandidaten kaum genutzt.

Hauptergebnisse

  • Die kumulative Inzidenz psychiatrischer Diagnosen und neurologischer Entwicklungsstörungen nahm bei Mädchen zwischen 1987 und 1997 von 9,8 auf 14,9 zu, bei Jungen von 6,2 auf 8,8.
  • Das Quotenverhältnis für den Vergleich des Jahre 1997 gegenüber 1987 für alle Diagnosen betrug für Mädchen 1,6 und für Jungen 1,5.
  • Eine signifikante (p
  • Unter den Jugendlichen, die vor dem 19. Lebensjahr durch Selbstmord starben, hatten im Geburtsjahrgang 1987 nur 5 von 16 in den 6 Monaten zuvor einen Psychiater aufgesucht, im Geburtsjahrgang 1997 waren es nur 2 von 12.

Design

  • Vergleich psychiatrischer Diagnosen und neurologischer Entwicklungsstörungen bei 12 bis 18 Jahre alten Jugendlichen anhand des finnischen nationalen Registers für die Geburtsjahrgänge 1987 und 1997.
  • Primäre Studienziele waren die Zeit bis zur Inanspruchnahme spezialisierter Dienste insgesamt und für 17 spezifische Diagnosen.
  • Außerdem wurde untersucht, ob Jugendliche, die sich das Leben genommen hatten, zuvor einen spezialisierten Dienst aufgesucht hatten.
  • Finanzierung: Academy of Finland, Brain and Behavior Research Foundation, Finnish Medical Foundation.

Klinische Bedeutung

Welche Veränderungen gab es in den vergangenen Jahrzehnten bei der Behandlung von Jugendlichen mit psychiatrischen Erkrankungen und neurologischen Entwicklungsstörungen? Zu dieser Frage fanden die Autoren nur wenige Studien. Sie werteten deshalb die Daten zweier finnischer Geburtsjahrgänge aus und stellen in diesem hoch entwickelten Land zwischen 1987 und 1997 eine starke absolute Zunahme beanspruchter Dienste fest, sowie eine relative Zunahme bei der Mehrzahl der Diagnosen. Diese Befunde lassen großen Spielraum für Interpretationen, etwa die Folgen niedrigschwelliger Angebote und reduzierter Stigmatisierung. Ausgerechnet bei suizidalen Jugendlichen scheint das damalige System aber noch im Vorfeld versagt zu haben, denn die weitaus meisten hatten in den 6 Monaten vor ihrem Tod keine psychiatrischen Dienste beansprucht.