Fertilitätsbehandlung mit zuvor tiefgefrorenen Embryonen könnte das Krebsrisiko erhöhen

  • JAMA

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die meisten Medikamente und Prozeduren, die bei Fertilitätsbehandlungen zum Einsatz kommen, scheinen das Risiko für Krebserkrankungen nicht zu erhöhen. Der – in Deutschland verbotene - Transfer zuvor kryokonservierter Embryonen könnte allerdings eine Ausnahme sein.

Hintergrund

Ob eine künstliche Befruchtung das Risiko der so gezeugten Kinder erhöht, an Krebs zu erkranken, ist eine Frage, die schon seit Jahrzehnten diskutiert wird. Ebenso unklar ist, ob die gelegentlich berichteten Assoziationen mit dem Gebrauch spezifischer Medikamente und Prozeduren zusammenhängen oder mit der zugrunde liegenden Unfruchtbarkeit.

Design

Retrospektive Kohortenstudie anhand des dänischen Bevölkerungsregisters und der Dänischen Infertilitäts-Kohorte. Die Analyse umfasst 1.085.172 Kinder, die zwischen 1996 bis einschließlich 2012 in Dänemark geboren wurden. In der Nachverfolgung bis 2015 (durchschnittlich 11,3 Jahre) wurde bei 2217 dieser Kinder eine Krebserkrankung diagnostiziert.

Ergebnisse

  • Für die folgenden Medikamente und Prozeduren gab es keine statistisch signifikante Häufung von Krebserkrankungen im Vergleich zu den Kindern fertiler Mütter:
    • Gebrauch des Estrogenrezeptormodulators Clomiphen (n = 33.835)
    • Gebrauch von Gonadotropinen (= 57.136)
    • Gebrauch von Analoga des Gonadotropin-Releasing Hormone (n= 38.653)
    • Gebrauch von humanem Choriongonadotropin (n = 68.181)
    • Gebrauch von Progesteron (n = 41.628)
    • Gebrauch von Östrogen (n = 19.448)
    • In-vitro-Fertilisation (n = 19.448)
    • Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (n = 13.417)
  • Fruchtbarkeitsbehandlungen mit dem Transfer zuvor kryokonservierter Embryonen (n = 3356) waren mit einer höheren Rate von Krebserkrankungen assoziiert. Die Inzidenzrate betrug 44,4 / 100.000 Kinder gegenüber 17,5 / 100.000 unter den mehr als 900.000 Geburten fertiler Frauen. Dies entspricht einem Chancenverhältnis HR von 2,43 (95%-Konfidenzintervall 1,44 – 4,11).
  • Die absolute Zahl dieser Krebsfälle war klein (n= 14), und die Risikoerhöhung kam hauptsächlich durch 5 Leukämieerkrankungen und mehrere Tumoren des sympathischen Nervensystems zustande.

Klinische Bedeutung

Was Deutschland betrifft, so ist das womöglich geringfügig erhöhte Krebsrisiko nach dem Transfer tiefgefrorener Embryonen ein theoretisches – denn diese Technik darf hierzulande lediglich als Notfallmaßnahme angewandt werden. Die Autoren spekulieren, dass die Tiefkühlung bzw. die genutzten Mittel zur Kryokonservierung Entwicklungsprozesse im Embryo verändern und das intrauterine Wachstum beeinflussen könnten.

Finanzierung: Dänische Kinderkrebs-Stiftung (Børnecancerfonden), Dänische Krebsforschungs-Stiftung (Dansk Kræftforskningsfond) und 6 weitere Stiftungen.