Fertilitätsstörungen: Was betroffene Männer dagegen tun können

  • Dr.med.Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Fertilitätsstörungen von Männern haben viele mögliche Ursachen. Gegen manche pathogenetisch relevanten Faktoren kann jedoch etwas getan werden. Dazu gehörten nicht nur Genussgifte wie Alkohol und Nikotin, sondern auch Übergewicht, Ernährungs-Fehler, körperliche Inaktivität und manche Medikamente, berichten die Urologen und Andrologen Hans-Christian Schuppe (Universität Gießen) und Frank-Michael Köhn (Andrologicum München). Fertilitätsstörungen von Männern seien zwar häufig multifaktorieller Genese; die konsequente Elimination relevanter Noxen könne aber die Ejakulatqualität verbessern.

Ein Beispiel für einen modifizierbaren Risikofaktor sei ein erhöhter Body Mass Index; er sei mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für eine Oligo- oder Azoospermie assoziiert; Spermien übergewichtiger Männer zeigten darüber hinaus Funktionsstörungen, zum Beispiel eine erhöhte DNA-Fragmentation. Dabei ist den Autoren zufolge allerdings zu berücksichtigen, dass ein solcher Zusammenhang auch darauf zurückzuführen sein könnte, dass Männer mit Übergewicht auch andere Risikofaktoren hätten, die möglicherweise die Ejakulatqualität beeinträchtigten, etwa kardiovaskuläre Erkrankungen, metabolisches Syndrom und Diabetes mellitus, Stressfaktoren, Fehlernährung.

Aus andrologischer Sicht spielt nach Angaben der Autoren das viszerale Fettgewebe eine wichtige pathophysiologische Rolle: Sowohl endokrine als proinflammatorische Aktivitäten erhöhten das Risiko einer Hodenfunktionsstörung bis hin zu einem manifesten Hypogonadismus. 

Verbessert wird die Fertilität möglicherweise durch eine Gewichtsreduktion: Laut Schuppe und Köhn liefern neuere Interventionsstudien erste Hinweise, „dass eine Gewichtsabnahme zu einer Verbesserung der vorher reduzierten Spermienkonzentration bzw. -gesamtzahl führt“. Positive Effekte auf die Spermaqualität seien auch nach bariatrischer Operationen berichtet worden, die Datenlage sei jedoch komplex. Diskutiert werde in diesem Zusammenhang, „ob die relative Freisetzung zuvor im Fettgewebe akkumulierter chemischer Substanzen, insbesondere endokriner Disruptoren, zu einer Schädigung auf testikulärer Ebene führen könnte“. 

Zunehmende Beachtung haben den Autoren zufolge in den letzten Jahren auch Untersuchungen zum Einfluss von Ernährungsgewohnheiten auf die Ejakulatqualität erhalten. Die verfügbaren Studien lieferten einige interessante Anhaltspunkte und wiesen zumindest auf die Notwendigkeit einer ausgewogenen und gesunden Ernährung hin. So scheine beispielsweise die Aufnahme von Nahrungsmitteln, die reich seien an Omega-3-Fettsäuren, Antioxidantie), Vitamin D oder Folsäure sowie ärmer an gesättigten Fettsäurencmit einer besseren Spermaqualität assoziiert zu sein. Männer, deren Ernährung mehr aus Fisch, Hühnchen, Getreide, Gemüse und Früchte, Milchprodukten mit niedrigem Fettanteil bestehe, hätten ebenfalls eine bessere Spermaqualität. Männer, die sich hingegen von Fertigprodukten, Kartoffeln, Vollmilchprodukten, Käse, Kaffee, Alkohol, gezuckerten Getränken und Süßigkeiten ernährten, hätten eine reduzierte Spermaqualität. Über eine Verschlechterung der Ejakulatqualität sei außerdem im Zusammenhang mit einer Soja- bzw. Isoflavon-reichen Diät berichtet worden, so Schuppe und Köhn. 

Ein weiterer modifizierbarer Risikofaktor ist wohl auch Bewegungsmangel. Körperliche Inaktivität und erhöhter Fernsehkonsum (> 20 h pro Woche) waren nach Angaben der Autoren in einer Untersuchung mit gesunden Männern mit reduzierter Spermienkonzentration assoziiert. In anderen Studien sei hingegen konnten kein Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und der Spermaqualität festgestellt worden. 

Neuere Untersuchungen lieferten allerdings Hinweise darauf, dass körperliche Aktivität möglicherweise die Spermaqualität von übergewichtigen Männern verbessert, berichten die Andrologen weiter. So hätten sich Spermienkonzentration, -motilität und -morphologie sowie der Testosteronwert im Serum signifikant verbessert, wenn die Männer dreimal pro Woche etwa eine Stunde auf dem Laufband aktiv gewesen seien. Sehr intensives körperliches Training könne dagegen mit „Einschränkung des Fertilisationsvermögens von Spermien einhergehen“. 

Zu den Faktoren, die die Fertilität von Männern beeinträchtigen können, gehören auch Medikamente, darunter auch Medikamente „ohne medizinische Indikation“ wie auch illegale Drogen. Zu nennen seien psychotrop wirksame Medikamente einschließlich illegaler Drogen. Die Datenbasis zur Wirkung illegaler Drogen wie Cannabis (Marihuana, Haschisch), Kokain, Opiaten, Amphetaminen oder synthetischen Halluzinogenen auf die reproduktiven Funktionen von Männern sei jedoch begrenzt. In erster Linie werde über Störungen der Sexualfunktionen berichtet. Angaben zu den möglichen Effekten auf endokrine Funktionen wie die GnRH-Sekretion oder auf die Spermienqualität stützten sich vor allen auf tierexperimentelle Befunde.