Fehler bei Leichenschau und Todesbescheinigung: Schulungen beugen vor


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Fehler bei der Leichenschau und Todesbescheinigung können als Ordnungswidrigkeit (OWi) geahndet werden. Daten aus einem Großstadtgesundheitsamt zeigen eine Häufigkeit von knapp 0,1 % eingeleiteter OWi-Verfahren gegen leichenschauende Ärzte. Es ist davon auszugehen, dass eine hohe Dunkelziffer besteht. Regelmäßige Schulungen können die Qualität der ausgestellten Todesbescheinigungen verbessern. 

Hintergrund

Die Qualität der ärztlichen Leichenschau (LS) ist seit Jahren Gegenstand von Publikationen und Diskussionen. So wurden in manchen Studien erhebliche Diskrepanzen zwischen Todesbescheinigungen (TB) und Obduktions-Ergebnissen festgestellt, außerdem deutliche Mängel bei der LS wie der Verzicht auf das Entkleiden der Leiche. In den Bestattungsgesetzen und den Bestattungsverordnungen der Länder ist festgelegt, dass bestimmte Fehler bei der Leichenschau (LS) und beim Ausstellen von Todesbescheinigungen (TB) als Ordnungswidrigkeiten (OWi) geahndet werden können. Umfassende Daten dazu, wie dies in der Praxis gehandhabt wird, und wie viele OWi-Verfahren tatsächlich eingeleitet werden, haben bislang nicht vorgelegen.

Design

Im Referat für Gesundheit und Umwelt der Stadt München (RGU) wurden retrospektiv alle Münchner Todesbescheinigungen der Jahre 2015–2017, einschließlich des zu den Fällen gehörenden Schriftwechsels, ausgewertet.

Hauptergebnisse

Im Studienzeitraum gingen pro Jahr durchschnittlich 13.630 TB im RGU ein. Dieses regte OWi-Verfahren gegen leichenschauende Ärzte in 34 Fällen (0,08 %), d. h. bei jeder 1250. Leichenschau an. Die Gründe waren Fehler bei der Leichenschau, Unterlassen der Verständigung von Polizei und Staatsanwaltschaft bei bescheinigter ungeklärter Todesart oder Hinweisen auf nicht-natürliche Todesart sowie bei falsch bescheinigtem natürlichen Tod.

Die zahlenmäßig größte Gruppe bei den OWi-Verfahren am RGU war die eines falsch bescheinigten natürlichen Todes (28/34).

Klinische Bedeutung

Die möglichen Folgen von mangelhaften Leichenschauen und Todesbescheinigungen machen die enorme Bedeutung dieser ärztlichen Tätigkeiten deutlich. Denn falsch ausgestellte TB haben Auswirkungen auf verschiedene Bereiche: So können zum Beispiel Tötungsdelikte übersehen werden. Dies wiederum kann die Prävention weiterer Tötungsdelikte durch den selben oder die selben Täter verhindern. Ein falsch bescheinigter natürlicher Tod kann für die Angehörigen versicherungsrechtliche Folgen haben. Darüber hinaus beruhen die amtliche Todesursachenstatistik und die Krebsregister auf den Daten aus den TB. 

Die regelmäßige Fortbildung der leichenschauenden Ärzte sei den Autoren zufolge in allen Fällen geeignet, gravierende Fehler zu vermeiden, die in ein OWi-Verfahren münden können. Der Erfolg entsprechender Schulungen und regelmäßiger Qualitätszirkel lasse sich aus dem guten Abschneiden der Ärzte des Münchner Leichenschaudienstes ersehen.

Finanzierung: keine Angaben