Fatale Kombination: Fettreiche Ernährung und Antibiotika erhöhen Risiko für chronisch entzündliche Darmerkrankungen

  • Cell Host and Microbe

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Die Kombination von Antibiotika-Einnahme und einer fettreichen Ernährung erhöht offenbar das Risiko für chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Inflammatory Bowel Disease / IBD). Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Wissenschaftlern der University of California, die jüngst in Cell Host and Microbe publiziert wurde.

Prä-IBD bei 11% der Patienten mit Reizdarmsyndrom

Besonders betroffen von einem erhöhten IBD-Risiko sind laut der Wissenschaftler Patienten mit einem Reizdarmsyndrom (IBS), welches etwa 11% der Menschen weltweit betrifft. Es ist durch wiederkehrende Episoden von Bauchschmerzen, Blähungen sowie Durchfällen und Verstopfung gekennzeichnet. IBS-Patienten mit Schleimhautentzündung und Veränderungen in der mikrobiellen Zusammensetzung des Darms gelten als Patienten mit einer prä-inflammotorischen Darmerkrankung (Prä-IBD).

An der US-amerikanischen Studie nahmen 43 gesunde Erwachsene und 49 erwachsene Patienten mit einem Reizdarmsyndrom teil. 19 der Reizdarmpatienten hatten erhöhte Calprotectin-Werte im Stuhl, berichten die Forscher, was auf das Vorliegen einer prä-entzündlichen Darmerkrankung hindeutet.

Kombination von Fett und Antibiotika erhöht das Risiko einer IBD am stärksten

"Unsere Studie ergab, dass eine Antibiotika-Einnahme in der Vergangenheit bei Personen, die eine fettreiche Ernährung zu sich nahmen, mit dem größten Risiko für eine Prä-IBD assoziiert war", sagte Andreas Bäumler, Professor für medizinische Mikrobiologie und Immunologie und Hauptautor der Studie.

Betrachtete man einzig die Ernährungsgewohnheiten der Studienteilnehmer, so konnten die Wissenschaftler feststellen, dass jene, die sich fettreich ernährten, ein 2,8-mal höheres Risiko aufwiesen, an einer IBD-Vorstufe zu leiden als Teilnehmer, die sich fettarm ernährten. Wer Antibiotika einnahm, hatte ein 3,9-fach erhöhtes Risiko für eine Prä-IBD. Ernährte man sich jedoch fettreich und nahm gleichzeitig Antibiotika ein, dann war das Risiko einer Prä-IBD 8,6-mal höher als bei denjenigen, die sich fettarm ernährten und in der jüngsten Vergangenheit keine Antibiotika eingenommen hatten.

Mitochondrien werden lahmgelegt

Die Forscher untersuchten an Mäusen ebenfalls die Wirkung einer fettreichen Ernährung und des Einsatzes von Antibiotika auf die Zellen in der Darmschleimhaut. Es zeigte sich, dass fettreiche Nahrung und Antibiotika zusammen die Arbeit der Mitochondrien in der Zelle regelrecht lahmlegen und ihre Fähigkeit unterbinden, Sauerstoff zu verbrennen. Der Sauerstoffverbrauch der Zelle sinkt, was dazu führt, dass der überschüssige Sauerstoff in den Darm austritt.

Die nützlichen Bakterien des Körpers gedeihen in sauerstoffarmen Umgebungen wie dem Dickdarm. Ein höherer Sauerstoffgehalt im Darm fördert bakterielle Ungleichgewichte und Entzündungen. Mit der Störung des Darmmilieus beginnt ein Teufelskreis: Gute Bakterien werden durch potenziell schädliche proinflammatorische Mikroben ersetzt, die sauerstofftoleranter ersetzt. Dies wiederum führt zu einer Schleimhautentzündung, die zu einer Prä-IBD führt, lautet das Fazit der Studienautoren.

Finanzierung: National Research Foundation of Korea, USDA/NIFA award, Public Health Service