Faszienrollen: viel Hype, wenig wissenschaftliche Evidenz

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  • von Dr. med. Thomas Kron
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Kernbotschaften

Faszienrollen oder auch Foam-Rollen sind aus Physiotherapiepraxen, Fitnessstudios und dem Leistungssport nicht mehr wegzudenken. Zu den versprochenen Wirkungen zählen Leistungssteigerung, Unterstützung beim Aufwärmen sowie verbesserte Regeneration und Tonussenkung der Muskulatur. Die zugrundeliegende Forschungslage ist jedoch dürftig.

Untersuchung von Sprunghöhe und Muskelspannung

Welche Effekte das Training mit Faszienrollen hat, haben der Sportingenieur Dr. Christian Baumgart von der Bergischen Universität Wuppertal und seine Kollegen in einer kleinen Studie untersucht. Die Ergebnisse der kürzlich publizierten Studie werden sie auf dem Kongress der Orthopädisch-Traumatologischen Gesellschaft für Sportmedizin im Juni in Salzburg vorstellen. An der Studie nahmen 20 Männer in einem Alter von durchschnittlich knapp 27 Jahren teil. Unter Anleitung nutzten sie die Massagerollen je zweimal eine Minute pro Muskelgruppe an den Beinen. Danach wurde die vertikale Sprunghöhe gemessen. Ergebnis: Es tat sich nichts, die Sprunghöhe nahm nicht zu. Nach einem zehnminütigen Radergometer-Training jedoch sprangen die Männer höher. Mechanomyographisch wurde darüber hinaus die Muskelspannung bestimmt: Auch hier bewirkte das Training mit den Schaumstoffrollen nur geringe Veränderungen. 

Kein Ersatz für Therapeuten und möglicherweise schädlich 

Auch mit Effekten solcher Rollen auf das Bindegewebe sind die Wissenschaftler laut einer Mitteilung vorsichtig. Baumgart: „Faszien sind sehr dünn, und die Wirkung einer reinen Kompression ist fraglich. Im Gegenteil: Langfristige Folgen und gesundheitliche Risiken könnten mitunter größer sein, wenn das intensive Rollen zum Beispiel Schäden an den Venenklappen verursacht.“ Auch ein negativer Effekt der Kompression von Haut, Unterhaut, Muskeln, faszialen Arealen und Knochen sei denkbar, aber bisher noch wenig untersucht. Das Foam Rolling kann auch keine manuellen Techniken zur Lockerung der Muskulatur ersetzen. „Ein Therapeut oder Masseur behandelt in der richtigen physiologischen Zugrichtung. Er merkt, ob und was da im Inneren eventuell entgegen spannt“, so Baumgart. Deshalb sei es nicht korrekt, Effekte physiotherapeutischer Anwendungen auf die der Rolle zu übertragen. Auch sei die Wirkung klassischer Dehnmethoden häufig vergleichbar oder sogar besser – zum Beispiel für die (kurzfristige) Steigerung der Beweglichkeit.

Teilweise hohe Druckwerte

Verschiedene Rollentypen führen zu unterschiedlichen biomechanischen Belastungen. Auf harten Noppen beispielsweise sind die Spitzendrücke um ein Vielfaches höher. Auch das kann zum Beispiel einen Einfluss auf die Veränderung der Schmerzdruckschwelle haben. Beim Rollen über die Wade oder über den vorderen Oberschenkel haben die Forscher eine Belastung von durchschnittlich 30 Prozent des Körpergewichtes gemessen. Bei Menschen, die sich mit dem Rücken auf eine Rolle legen und dann rollen, ist diese Belastung um ein Vielfaches höher.

Kontraindikationen 

Da hohe Druckbelastungen sowohl auf die Haut als auch auf Gefäße und Nerven wirken, sind Kontraindikationen zu berücksichtigen. Absolute Kontraindikationen des „Foam Rolling“ sind unter anderem die Neigung zu Krampfadern, Hämophilie, periphere Neuropathien, Gefäßerkrankungen, Thrombosen, Wirbelgleiten und operativ fixierte Wirbelkörper, etwa nach einem Trauma oder nach einer Bandscheiben-Operation. 

Die Autoren betonen allerdings, dass ihre Studie einige wenige Limitierungen habe, so etwa die mechanomyographische Untersuchung der Muskelspannung; dabei könnten Effekte des Rollen-Trainings auf unterschiedliche Gewebe (Haut, Fett, Bindegewebe) nicht voneinander getrennt werden. Darüber hinaus habe man sich auf kurzfristige Effekte konzentriert und auf die passive Muskelspannung. 

Finanzierung: keine