Fast jeder zehnte vollzogene Selbstmord wird in den USA von chronisch Schmerzkranken begangen


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die retrospektive Auswertung eines US-amerikanischen Registers fand Hinweise auf chronische Schmerzen als Ursache bei 8,8 % aller Suizidopfer. Die meisten starben durch Schusswaffen, ein erheblicher Anteil durch eine Opioid-Überdosis.

Hintergrund

Chronische Schmerzen sind weit verbreitet, nach Angaben der Deutschen Schmerzgesellschaft sind etwa 17 % der Einheimischen davon betroffen. Studien legen nahe, dass eine Assoziation mit Suizidalität besteht, jedoch wurden nach Angaben der Autoren bisher vorwiegend nicht tödliche suizidale Verhaltensweisen untersucht, und nicht die vollzogenen Selbstmorde sowie die Umstände dieser Taten.

Design

Untersucht werden sollte die Prävalenz chronischer Schmerzen bei Menschen, die durch einen Selbstmord verstorben sind, sowie die Charakteristika von Selbstmord-Toten mit und ohne chronischen Schmerzen. Dazu wurden retrospektiv für die Jahre 2003 bis einschließlich 2014 aus 18 Bundesstaaten Daten des US-amerikanischen National Violent Death Reporting System ausgewertet, bei dem Sterbeurkunden mit Obduktionsberichten und polizeilichen Befragungen von Hinterbliebenen verknüpft sind.

Hauptergebnisse

  • Von 123.181 Menschen, die an Selbstmord gestorben waren, fanden sich bei 10.789 (8,8 %) Hinweise auf chronische Schmerzen.
  • Der Anteil der chronisch Schmerzkranken an den vollzogenen Suiziden stieg im elfjährigen Beobachtungszeitraum von 7,4 % auf 10,2 %.
  • Mehr als die Hälfte der Suizide unter chronisch Schmerzkranken (53,6 %) wurde mit Schusswaffen begangen, 16,2 % starben an einer Opiod-Überdosis.

Klinische Bedeutung

Chronische Schmerzen trugen in dieser Untersuchung mit annähernd 10 % zur Gesamtsuizidalität bei. Angesichts der Art und Weise, wie die Daten erhoben wurden, gehen die Autoren davon aus, dass der tatsächliche Anteil wahrscheinlich noch höher liegt. Da Schusswaffen in Deutschland stark reguliert sind, sind die Resultate kaum übertragbar. Die Möglichkeit einer Opioid-Überdosierung bei (suizidalen) Patienten mit chronischen Schmerzen muss allerdings auch hierzulande in Betracht gezogen werden.

Finanzierung: Keine.