Fast-Food-Konsum Jugendlicher hängt von Alter, Schulbildung und Medienkonsum ab

  • Robert Koch-Institut

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Fast jeder vierte Jugendliche hat einen hohen Fast-Food-Konsum. Insgesamt 23 Prozent der 12 bis 17-Jährigen nehmen nach eigenen Angaben täglich mindestens zehn Prozent ihrer Energiezufuhr durch Fastfood wie Pizza, Döner oder Hamburger auf. Das geht aus den aktuellen Daten der zweiten Ernährungsstudie EsKiMo II der KIGGS-Gesundheitsstudie hervor.

Fast Food-Konsum bei Jungen gesunken

Während sich bei Mädchen die Energiezufuhr über Fast Food in den vergangenen zehn Jahren kaum verändert (125 bzw. 126 Kilokalorien pro Tag) hat, ist sie dagegen bei den Jungen von 252 auf 188 Kilokalorien pro Tag deutlich gesunken. "Klar ist: Das reicht nicht. Mit Blick auf die Gesundheit der Bevölkerung sollte der Fast-Food-Konsum weiter reduziert werden", fordert RKI-Präsident Lothar Wieler in einer Mitteilung des Instituts.

Einen möglichen Ansatzpunkt sieht das RKI darin, mehr gesunde Fast-Food-Alternativen anzubieten, um die Essensauswahl hin zu einer ausgewogenen und gesundheitsförderlichen Ernährung zu erleichtern. Diskutiert wird außerdem, die Anzahl an Fast-Food-Restaurants und Imbissen in direkter Umgebung von Schulen, ähnlich der Einschränkung von Zigarettenautomaten zu reduzieren und gleichzeitig die Schulverpflegung gesundheitsförderlicher und attraktiver zu gestalten. Auch die Einführung eines Unterrichtsfachs zum Thema Ernährung sei überlegenswert, heißt es im aktuellen Bericht.

Hoher Verzehr hängt von mehreren Faktoren ab

Bei den so genannten "Hochkonsumenten" zeigen sich Unterschiede nach Geschlecht, Alter, sozioökonomischem Status, Schultyp, Gemeindegröße und Medienkonsum. So steigt zum Beispiel der Energieanteil aus Fast Food mit dem Alter, nimmt aber mit einem höheren sozioökonomischen Status der Familie ab.

Ein detaillierter Blick auf die Ergebnisse zeigt:

  • Der Energieanteil aus Fast Food steigt mit dem Alter und nimmt mit einem höheren sozioökonomischen Status der Familie ab.

  • Mädchen und Jungen mit Migrationshintergrund nehmen einen höheren Energieanteil aus Fast Food auf als Mädchen und Jungen ohne Migrationshintergrund.

  • Im Osten Deutschlands nehmen sowohl Mädchen als auch Jungen, verglichen mit Gleichaltrigen aus anderen Regionen, den geringsten Energieanteil aus Fast Food auf.

  • Schülerinnen und Schüler, die eine Haupt-, Real- oder Gesamtschule besuchen, nehmen einen höheren Energieanteil durch Fast Food auf als die Schülerinnen und Schüler eines Gymnasiums.

  • Heranwachsende, die mehr Zeit mit Medien verbringen, konsumieren einen höheren Energieanteil aus Fast Food als Gleichaltrige, die weniger Zeit für diese Aktivitäten aufbringen.

DDG fordert Werbungsverbot ungesunder Produkte

Die Daten zeigen erneut, dass die Ernährung von Kindern und Jugendlichen stark von Umgebungsfaktoren abhängt. Sie greifen vor allem dann häufig zum Fast Food, wenn sie viel Zeit mit Fernsehen und im Internet verbringen. Deshalb ist die Gesellschaft gefordert, Kinder und Jugendliche vor gesundheitsschädlichen Einflüssen in den Medien zu schützen, sagte Barbara Bitzer, Ge­schäftsfüh­rerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in einer Stellungnahme.

Deshalb sei die Gesellschaft gefordert, Kinder und Jugendliche vor gesundheits­schädli­chen Einflüssen in den Medien zu schützen. „Daher brauchen wir dringend ein Verbot von an Kinder und Jugendliche gerichtete Werbung für ungesunde Produkte, wie es in vielen Ländern bereits umgesetzt wird“, unterstreicht Bitzer.