Fast 800 Fälle von gepantschten Nahrungsergänzungsmitteln in den USA aufgedeckt


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Über einen Zeitraum von 10 Jahren wurden in den USA 776 Mal Nahrungsergänzungsmittel identifiziert, die undeklariert für die jeweiligen Anwendungen nicht zugelassene Pharmazeutika enthielten. Die Möglichkeit von Online-Bestellungen und internationalem Versand macht es hochwahrscheinlich, dass derartige Produkte auch nach Deutschland gelangen.

Hintergrund

Ein Großteil der Erwachsenen – in den USA sind es mehr als die Hälfte – nimmt täglich Nahrungsergänzungsmittel ein. Darin finden sich allerdings immer wieder nicht deklarierte und nicht zugelassene pharmazeutische Wirkstoffe. Die Warnungen der US-Zulassungsbehörde betreffs dieser Vorfälle sind in der vorliegenden Arbeit erstmals systematisch ausgewertet worden.

Design

Studie zur Qualitätsverbesserung in der Überwachung von Nahrungsergänzungsmitteln anhand einer Datenbank der Food and Drug Administration für die Jahre 2007 bis 2016.

Hauptergebnisse

  • Im zehnjährigen Untersuchungszeitraum wurden 776 gepantschte Nahrungsergänzungsmittel von 164 verschiedenen Herstellern identifiziert.
  • Die meisten verfälschten Produkte wurden als Potenzmittel (45,5 %), Abnehmmittel (40,9 %) oder für den Muskelaufbau (11,9 %) beworben.
  • In diesen drei Produktklassen fanden sich am häufigsten Sildenafil (166 von 353 Produkten, 47 %), Sibutramin (269 von 317 Produkten, 84,9 %) und synthetische Steroide oder Steroid-ähnliche Substanzen (82 von 92, 89,1 %).
  • Etwa jedes fünfte gepantschte Produkt (20,2 %) enthielt mehr als einen nicht zugelassenen Wirkstoff.
  • 28 Produkte wurden 2 oder gar 3 Mal in einem Abstand von mehr als 6 Monaten verwarnt, darunter 19, bei denen gegenüber der ersten Warnung neue, verbotene Substanzen aufgetaucht waren.

Klinische Bedeutung

Die Studie bezieht sich auf das „Mutterland der Nahrungsergänzungsmittel“, die USA. Dort werden sogar nach Warnungen der Zulassungsbehörde Produkte weiterhin mit pharmakologischen Wirkstoffen aufgepeppt, die nicht deklariert werden und schwere Nebenwirkungen hervorrufen können. Selbst wenn deutsche Hersteller die Gesetze nicht in gleichem Maße verletzen wie ihre US—Kollegen, so geht von den gepanschten Nahrungsergänzungsmitteln doch eine erhebliche Gefahr auch für hiesige Konsumenten aus, da ein Großteil aller beanstandeten Produkte im Onlinehandel vertrieben und international versandt wurde.

Finanzierung: Keine.