Familientherapie schützt nicht besser vor Selbstverletzung als Standardversorgung


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Selbstverletzendes Verhalten bei Jugendlichen wird durch eine Familientherapie nicht besser behandelt als durch die Standardbetreuung.

Hauptergebnisse

  • Es gab keine signifikanten Unterschiede in der Häufigkeit von Klinikaufenthalten nach Selbstverletzung, egal ob die Teilnehmer eine Familientherapie erhalten hatten, oder die Standardversorgung (28 % vs. 25 % , p=0,33).

Design

  • Randomisierte, kontrollierte Studie mit 832 Jugendlichen aus 40 britischen Einrichtungen (Child and Adolescent Mental Health Services (CAMHS) des National Health Service, die zwischen 11 und 17 Jahren alt waren und mindestens zwei Mal selbstverletzendes Verhalten gezeigt hatten.
  • Verglichen wurde der Nutzen einer Familientherapie durch ausgebildete Familientherapeuten unter Supervision gegenüber der Standardbehandlung bezüglich Klinikaufenthalten wegen Selbstverletzung in den 18 Monaten nach der Randomisierung.
  • Die Familientherapie wurde 6 Mal in etwa monatlichen Abständen durchgeführt (Anfangs häufiger) und dauerte jeweils annähernd 1:25 Stunden. Die Standardbehandlung wurde von dem örtlichen CAMHS-Teams angeboten und beinhaltete sowohl individuelle als auch familienorientierte Arbeit durch Mitarbeiter mit unterschiedlichen theoretischen Orientierungen.
  • Finanzierung: National Institute for Health Research Health Technology Assessment programme.

Klinische Bedeutung

Laut den Autoren ist selbstverletzendes Verhalten bei Jugendlichen ein globales Gesundheitsproblem, mit einer 1-Jahres-Prävalenz von 10 % im Selbstbericht. Die Mortalität dieser Jugendlichen ist vier Mal höher als in der Allgemeinbevölkerung, die Selbstmordrate um das Zehnfache erhöht. Da familiäre Faktoren wie die Eltern-Kind-Beziehung, Streit zwischen den Eltern, deren psychische Probleme oder Missbrauch als wichtige Risikofaktoren für selbstverletzendes Verhalten gelten, wurde hier eine professionelle Familientherapie erprobt. Die Studie zählt zu den größten und teuersten in dieser Indikation. Auch wenn das Ergebnis enttäuscht, so könnte es doch dazu beitragen, Ressourcen einzusparen, ohne die betroffenen Jugendlichen zu benachteiligen.