Fallberichte: Schwere Leberschäden nach Einnahme von Schöllkraut


  • Susanne Kressenstein
  • Medizinische Nachrichten
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Fallberichte über schwere Leberschäden nach der Einnahme von Iberogast haben das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic dazu bewogen, eine Warnung in die Fachinformationen für das Arzneimittel aufzunehmen. Die Leberschädigungen werden auf das in den Tropfen enthaltende Schöllkraut zurückgeführt.

Chelidonium majus gehört zur Familie der Mohngewächse und wird seit der Antike als Heilmittel verwendet. Der mit Honig vermischte Saft galt als Mittel gegen „Verdunkelung der Augen“. Die Wurzel sollte, wenn sie gekaut wurde, Zahnschmerz lindern. Mit Weißwein und Anis wurde sie zur Behandlung von Gelbsucht eingenommen. Äußerlich aufgetragen wird die Tinktur zur Behandlung von Warzen, innerlich bei Magen-Darm-Beschwerden eigenommen. Das Präparat Iberogast, das auch noch Auszüge von sechs weiteren Kräutern enthält, ist zur Linderung gastrointestinaler Beschwerden gedacht.

Es ist nicht das erste Mal, dass Schöllkraut verdächtigt wird, Leberschäden zu verursachen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte beschränkte bereits vor zehn Jahren die maximale Tagesdosis auf 2,5 mg Gesamtalkaloide. Auch die europäische Arzneimittel-Agentur hat das Nutzen-Risiko-Verhältnis als negativ bewertet.

Swissmedic rät zu einem vorsichtigen Einsatz sowohl bei Patienten mit aktuell bestehender oder anamnestisch bekannter Lebererkrankung als auch bei Patienten, die zeitgleich mit anderen Arzneimitteln behandelt werden, welche der Leber schaden könnten. Hier sollte immer eine Nutzen-Risiko-Analyse erfolgen. Das Schweizerische Heilmittelinstitut empfiehlt Ärzten, das Präparat sofort abzusetzen, sobald es zu Anzeichen einer Schädigung der Leber komme. Auf deutschen Beipackzetteln steht derzeit noch kein Hinweis dieser Art.