Fahrer von Elektro-Tretrollern sind risikofreudiger als Radfahrer

  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine Beobachtungsstudie aus Norwegen deutet darauf hin, dass das Risikobewusstsein bei Fahrern von Elektro-Tretrollern deutlich geringer ist als bei Radfahrern. Erstere trinken mehr, sind häufiger nachts unterwegs und tragen keine Helme.

Hintergrund

Neue Verkehrsmittel bringen auch neue Risiken mit sich. Worin diese im Falle von elektrisch betriebenen Tretrollern („E-Scooter“) bestehen, und welche Unterschiede zu Fahrrädern bestehen, war die Fragestellung der aktuellen Studie.

Design

Kohortenstudie mit 3191 Patienten, die in Norwegen zwischen Anfang 2019 bis Ende März 2020 mit E-Scootern oder Fahrrädern insgesamt 3839 Verletzungen erlitten.

Ergebnisse

  • Das Durchschnittsalter der Verletzten betrug 34 Jahre, 63,5 % der Fahrer waren männlich, 46,2 % trugen einen Helm und 16,2 % waren durch Alkohol oder andere Drogen beeinträchtigt.
  • Die jährliche Inzidenz der Verletzungen betrug mit E-Scootern 120 / 100000 Einwohnern, und bei den Radfahrern 340 / 1000000.
  • Männer waren in beiden Gruppen mit annähernd 63 % überrepräsentiert.
  • Verunglückte E-Scooter-Fahrer waren mit durchschnittlich 31 Jahren jünger als Radfahrer (35 Jahre), und sie hatten ihrer Unfälle häufiger am Wochenende oder am Abend bzw. in der Nacht (46,6 versus 66,4 und 38,7 %).
  • Während die E-Scooter-Fahrer bei ihren Unfällen zu 39,5 % unter Alkohol- oder Drogeneinfluss standen, war dies bei den Radfahrern „nur“ zu 7,7 % der Fall. Helme benutzten die E-Scooter-Fahrer mit 2,1 % kaum gegenüber 62,2 der Radfahrer.

Klinische Bedeutung

Die E-Scooter ziehen offenbar ein jüngeres, risikofreudigeres, Publikum an, als Fahrräder. Dies äußert sich unter anderem im häufigeren Drogenkonsum und im Verzicht auf Helme.

Finanzierung: Norwegische Straßenverwaltung und Norwegisches Gesundheitsministerium für die Datensammlung.