Fachgesellschaften plädieren für mehr Prävention durch körperliche Aktivität


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Die meisten Erwachsenen in Deutschland sind offenbar keine großen, selbst aktiven Freunde sportlicher Aktivitäten. Körperliche Inaktivität wird zu einem zunehmend größeren Problem. Auf mögliche Folgen und erforderliche Gegenmaßnahmen weisen erneut die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und die Deutsche Adipositas-Gesellschaft hin. 

Hintergrund

Bewegungsmangel gilt als eine der Hauptrisikofaktoren für chronische Erkrankungen wie etwa Adipositas, Diabetes mellitus, Gefäßkrankheiten und Bluthochdruck. Eine Fülle von wissenschaftlichen Studien hat gezeigt, dass körperliche Aktivität zur Prävention chronischer Erkrankungen beitragen, den Umgang mit Stress erleichtern und das Leben verlängern kann. Zudem ist körperliches Training ein wichtiger Baustein der Therapie bei chronischen Erkrankungen. Viele Untersuchungen haben allerdings gezeigt, dass sich trotz der vielen Pluspunkte von Bewegung und Sport für die Gesundheit und Lebensqualität zu viele Menschen zu wenig bewegen. Die WHO empfiehlt, pro Woche mindestens 2,5 Stunden an mäßig anstrengender Ausdaueraktivität sowie an mindestens zwei Tagen in der Woche muskelkräftigende Aktivitäten auszuführen. Laut Robert-Koch-Institut erreichen nur etwa ein Fünftel der Frauen (20,5 Prozent) und ein Viertel der Männer (24,7 Prozent) in Deutschland beide Empfehlungen. Mehr als die Hälfte der Erwachsenen bewegt sich weniger als 2,5 Stunden pro Woche. Die Bürger in Deutschland bewegen sich immer weniger und sitzen immer mehr, hat erst kürzlich auch der „DKV-Report 2018“ gezeigt. Da körperliche Inaktivität zu einem zunehmend größeren Problem wird, haben nun auch zwei Fachgesellschaften - die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und die Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) im Vorfeld ihrer Herbst- und Jahrestagung auf die möglichen Folgen hingewiesen und Empfehlungen ausgesprochen. 

Die gesundheitlichen Risiken 

Jede zweite Frau und zwei von drei Männern in Deutschland sind von Übergewicht betroffen, ein Viertel der Bevölkerung hat starkes Übergewicht (Adipositas). Die Gefahr, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln, ist in dieser Gruppe besonders hoch. Zudem besteht ein erhöhtes Risiko für gesundheitliche Folgen wie Bluthochdruck sowie Herz- und Gefäßerkrankungen. Hinzu kommen Erkrankungen des Bewegungsapparates, etwa eine Gonathrose. Übergewicht und Adipositas gehen außerdem mit einem erhöhten Risiko für einige Tumor-Erkrankungen einher.

Ein paar Empfehlungen

Um mehr Energie zu verbrauchen und sein Gewicht zu halten beziehungsweise zu reduzieren, empfehlen Sportwissenschaftler und Mediziner wie Professorin Christine Graf vom Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaft an der Deutschen Sporthochschule Köln ausreichend körperliche Aktivität – und zwar im Alltag und in der Freizeit. „Wer präventiv etwas für seine Gesundheit tun möchte, sollte täglich 10.000 Schritte absolvieren. Das entspricht etwa 100 Minuten zügigem Gehen pro Tag“, so Graf in einer Mitteilung. „Zusätzlich sind circa 150 Minuten Bewegungszeit pro Woche – also moderate körperliche Aktivität in Form etwa von Radfahren oder Schwimmen – notwendig, um das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu reduzieren.“

Diese Empfehlungen gelten auch für Menschen mit Diabetes. Regelmäßige körperliche Aktivität trägt bei Patienten mit Typ-2-Diabetes dazu bei, die Blutzucker-, Blutdruck- und Blutfettwerte zu verbessern. „Je besser der Diabetes eingestellt ist, umso höher ist die Lebensqualität und -erwartung der Patienten“, betont Graf. „Bei Menschen mit Prädiabetes halbiert sich das Risiko, tatsächlich zu erkranken, wenn sie regelmäßig Sport treiben und sich gesund und ausgewogen ernähren.“ Dieser Effekt ist unabhängig vom Gewicht, sondern hängt vielmehr von der Steigerung der körperlichen Fitness ab. 

Wie viel Sport der Einzelne treiben sollte, hängt unter anderem von der Intensität der Aktivität ab. „Wer moderate körperliche Aktivitäten wie Radfahren, bei denen man leicht schwitzt und etwas aus der Puste gerät, ausübt, sollte mindestens 2,5 Stunden Bewegungszeit pro Woche einplanen“, sagt Graf. Sie empfiehlt Trainingseinheiten von 30 Minuten an mindestens fünf Tagen in der Woche. „Sport in höheren Intensitäten wie Tennis oder Dauerlauf erfordern wiederum geringere Umfänge von 75 Minuten pro Woche, also Trainingseinheiten von einer halben Stunde an mindestens drei Tagen in der Woche.“ Um tatsächlich Gewicht zu verlieren, sollte man 13.000 Schritte pro Tag anstreben und mindestens fünf Stunden pro Woche moderat aktiv sein.