Ezetimib bei akutem Koronarsyndrom: Vor allem Diabetes-Kranke profitieren


  • Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Ezetimib schützt in Kombination mit Simvastatin nach einem akuten Koronarsyndrom vor allem Diabetes-Kranke und Patienten mit hohem kardiovaskulären Risiko vor kardiovaskulären Ereignissen, insbesondere vor Myokardinfarkten und ischämischen Schlaganfällen.

Hintergrund

Ezetimib hat in Kombination mit Simvastatin in der Phase-3-Studie IMPROVE-IT (Improved Reduction of Outcomes: Vytorin Efficacy International Trial) Patienten mit akutem Koronarsyndrom vor kardiovaskulären Ereignissen geschützt, etwa vor Myokardinfarkten und Schlaganfällen. Einer Subanalyse zufolge, die 2015 auf dem Kongress der Europäischen Kardiologen-Gesellschaft vorgestellt wurde, profitierten Diabetes-Patienten deutlich mehr von der Kombination des Statins mit Ezetimib als Nicht-Diabetiker. Die vollständigen Daten dieser Subanalyse sind nun publiziert worden.

Design

In der Hauptstudie IMPROVE-IT erhielten 18.144 Patienten nach akutem Koronarsyndrom mit einem LDL-C-Wert von 50 bis 125 mg/dl entweder 40 Milligramm Simvastatin plus 10 Milligramm Ezetimib oder das Statin plus ein Placebo. Primärer Endpunkt war die Kombination von kardiovaskulärem Tod, schweren koronaren Ereignissen und Schlaganfall. Die Beobachtungszeit betrug sechs Jahre. 27 Prozent der Studienteilnehmer (4933) waren Typ-2-Diabes-Patienten. Im Vergleich zu den Teilnehmern ohne Diabetes waren sie unter anderem im Mittel älter, häufiger weiblich; außerdem hatten sie einen geringeren LDL-C-Wert (89 versus 97 mg/dl).

Hauptergebnisse

Bei den Diabetes-Patienten wurde mit der Kombinationstherapie eine absolute Reduktion beim primären Endpunkt um 5,5 Prozentpunkte (Hazard ratio: 0,85; 95% CI: 0,78–0,94) erzielt, bei den Teilnehmern ohne Diabetes waren es 0,7 Prozentpunkte (Hazard ratio: 0,98; 95% CI: 0,91–1,04). Am besten schützte die Kombinationstherapie die Diabetes-Kranken vor Myokardinfarkten (relative Reduktion 24 Prozent) und ischämischen Schlaganfällen (39 Prozent). Darüber hinaus profitierten Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko mehr von der Kombinationstherapie als Patienten mit geringerem Risiko - und zwar unabhängig davon, ob sie an Diabetes erkrankt waren oder nicht. 

Klinische Bedeutung

Die Subanalyse hat ergeben, dass vor allem Patienten mit Diabetes sowie Patienten mit hohem kardiovaskulären Risiko von der zusätzlichen Therapie mit Ezetimib profitieren. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass es sich nur um eine Subanalyse handelt. Solche Analysen können unzuverlässig sein, vor allem dann, wenn die Therapieeffekte wie in IMPROVE IT klein sind und die Ergebnisse der Primäranalyse nur grenzwertig statistisch signifikant. In Kombination mit anderen Studien-Daten sprächen die aktuellen Daten der Subanalyse nicht dafür, dass der Nutzen von Ezetimib bei Patienetn mit und ohne Diabetes mellitus wesentlich unterschiedlich sei, heißt es in einem Kommentar zu der Subanalyse. Die Entscheidung für oder gegen eine zusätzliche Gabe von Ezetimib sollte sich daher am kardiovaskulären Risiko orientieren, das mit einem zuverlässigen Risiko-Score ermittelt und quantifiziert werden kann. 

Finanzierung: Unterstützung erhielten die Autoren durch Forschungsgelder für das „Brigham and Women’s Hospital“ in Boston und die „Duke Clinical Research Group“.