Exzessive Gewichtszunahme in der Schwangerschaft: insbesondere bei normalgewichtigen Frauen ein Risiko

  • Geburtshilfe Frauenheilkunde

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Das Risiko für die Geburt eines hypertrophen Neugeborenen wird am stärksten durch eine exzessive Gewichtszunahme in der Schwangerschaft erhöht, besonders bei nicht-adipösen Frauen. 

Hintergrund

Die Geburt eines hypertrophen Neugeborenen (LGA: Large-for-gestational-age) ist ein signifikanter Risikofaktor für Geburtskomplikationen sowie Morbidität der Mutter und ein noch höherer Risikofaktor für metabolisches Syndrom und kardiovaskuläre Erkrankungen des Nachwuchses im späteren Leben. Die wichtigsten Faktoren, die das LGA-Risiko beeinflussen, sind Adipositas vor der Schwangerschaft, exzessive Gewichtszunahme in der Schwangerschaft sowie Schwangerschaftsdiabetes. Die Autoren der vorliegenden Studie wollten herausfinden, welche Faktoren die größte Auswirkung auf das LGA-Risiko haben.

Design

Datenbankanalyse von 12  . 701 Termingeburten, die zwischen 2003 und 2014 im Geburtenregister des Universitätskrankenhauses in Jena dokumentiert wurden. Um die adjustierten Quotenverhältnisse (Odds Ratios, ORs) zu ermitteln, führten die Autoren eine multivariate logistische Regressionsanalyse durch. 

Hauptergebnisse

  • Zu einer exzessiven Gewichtszunahme während der Schwangerschaft kam es bei 38,4 Prozent der normalgewichtigen und fast 70 Prozent der übergewichtigen Frauen.
  • Eine exzessive Gewichtszunahme beeinflusste das LGA-Risiko am stärksten. 
  • Die Berechnungen ergaben für eine exzessive Gewichtszunahme ein Quotenverhältnis (OR) von 1,249 (95%-CI 1,018 1,533)
  • Gelang es, die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft innerhalb des von der IOM (Institute of Medicine) empfohlenen Rahmens zu halten, reduzierte sich das LGA-Risiko um 20% (OR 0,801; CI 0,652 0,982). 
  • Das Risiko für LGA nahm mit jedem zusätzlichen Kilo an Gewicht um kapp 7 Prozent zu. 
  • Die höchsten Zunahmen an LGA-Raten pro zusätzlichem Kilo Gewichtszunahme in der Schwangerschaft gab es bei normalgewichtigen und etwas übergewichtigen Frauen (OR 1,078 bzw. OR 1,058).
  • Diabetes mellitus hatte nur bei untergewichtigen und normalgewichtigen Frauen einen signifikanten Einfluss auf das LGA-Risiko (OR 11,818 [CI: 1,156–120,782] und 1,564 [CI: 1,013–2,415]).

Klinische Bedeutung    

Die Folgen der exzessiven Gewichtszunahme wirken sich besonders stark bei nicht-adipösen Frauen aus. Vor allem diese Frauen sind nach Angaben der Autoren daher eine Zielgruppe für Interventionen (Bewegung, Ernährung). Die Beratung dazu sollte verpflichtend sein; jedes verhinderte zusätzliche Kilo an Gewicht reduziere das LGA-Risiko um mehr als fünf Prozent, argumentieren die Autoren.

Finanzierung: keine Angaben; die Autoren erklären, keine Interessenkonflikte zu haben.