Expertenkommission: 12 modifizierbare Faktoren für 40 % aller Demenzen verantwortlich

  • The Lancet

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Etwa 50 Millionen Menschen weltweit leiden an einer Demenz; bis zum Jahr 2050 könnte sich diese Zahl auf 152 Millionen erhöhen. Interventionen sind aber möglich, da 40 % aller Demenzen auf 12 modifizierbare Risikofaktoren zurückzuführen sind.

Hintergrund

Angesichts der zunehmenden Inzidenz von Demenzerkrankungen und unbefriedigender therapeutischer Möglichkeiten hat eine, von der Fachzeitschrift The Lancet einberufene, Expertengruppe bereits im Jahr 2017 neun potenziell modifizierbare Risikofaktoren identifiziert. Diese wurden nun anhand aktueller wissenschaftliche Erkenntnisse neu bewertet und ergänzt.

Design

Eine Serie von Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen fand Eingang in ein aktualisiertes Lebenslaufmodel zur Demenzprävention mit 12 Faktoren. Das 34-seitige Dokument enthält dazu 315 Literaturverweise.

Ergebnisse

  • Die 12 modifizierbaren Risikofaktoren einer Demenz sind: schlechte Bildung, Bluthochdruck, Hörminderungen, Rauchen, Übergewicht, Depression, körperliche Inaktivität, Diabetes, und wenige soziale Kontakte, sowie - neu hinzugekommen - exzessiver Alkoholkonsum, traumatische Hirnverletzungen, und Luftverschmutzung.
  • Diese 12 Faktoren seien für rund 40 % aller Demenzerkrankungen weltweit verantwortlich, folglich könnte diese theoretisch verhindert oder verzögert werden.
  • „Es ist nie zu früh und nie zu spät im Leben für die Demenz-Prävention.“ Unter 45 Jahren würde eine schlechte Bildung die kognitive Reserve schmälern, im mittleren und höheren Alter würden die Risikofaktoren diese Reserve angreifen und neuropathologische Entwicklungen anstoßen.
  • Ausgewählte spezifische Empfehlungen:
    • Ab dem 40. Lebensjahr auf einen systolischen Blutdruck von maximal 130 mm HG zielen,
    • Hörgeräte nutzen, Hörschäden vermeiden,
    • Luftverschmutzung und Passiv-Rauch vermeiden,
    • Weniger als 21 Einheiten Alkohol / Woche (entsprechend je 8 Gramm reinem Alkohol),
    • Grund- und Sekundarschulen für alle Kinder,
    • Übergewicht und Diabetes reduzieren, körperliche Aktivitäten im mittleren / hohen Alter beibehalten.

Klinische Bedeutung

Die Furcht, an einer Demenz zu erkranken, ist in der Bevölkerung weit verbreitet. Der aktuelle Report bietet eine solide Grundlage, um über individuelle Präventionsmöglichkeiten zu informieren. Darüber hinaus legt er auch politische Maßnahmen nahe, die zur Abschwächung der Demenz-Epidemie beitragen könnten.

Finanzierung: University College London, Alzheimer´s Society UK, Economic and Social Research Council, und Alzheimer´s Research UK.