Exophthalmus bei endokriner Orbitopathie mit dem Antikörper Teprotumumab deutlich gemildert

  • New England Journal of Medicine

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Nach Blockade zweier Rezeptoren, die bei der Pathogenese eines Exophthalmus impliziert wurden, profitierten 4/5 der Patienten mit einer deutlichen (≥ 2mm) Reduktion der Proptosis. Die Behandlung mit dem humanen Antikörper Teprotumumab war auch bei allen 5 sekundären Studienzielen gegenüber Placebo nach 24 Wochen hochsignifikant überlegen.

Hintergrund

Die endokrine Orbitopathie ist eine Autoimmunerkrankung und führt zu einem starken Hervortreten der Augen (Exophthalmus). Neben den funktionellen Problemen (u.a. Exposition der Hornhaut, Lidretraktion, Diplopie und Visusminderung) führt sie auch zu starken psychosozialen Belastungen, kann bisher aber nur symptomatisch behandelt werden. Bei 40 % der Patienten lassen sich Autoantikörper gegen den Thyrotropin-Rezeptor nachweisen. Vermutlich sind aber auch andere Autoantigene und Antikörper beteiligt, und man hat eine Überexpression des Insulin-like Growth Factor I-Rezeptors (IGF-IR) beobachtet. Teprotumumab ist ein humaner Antikörper, der die Signalleitung an beiden Rezeptoren reduziert und dadurch die pathologische Immunantwort blockieren soll. Evidenz dafür lieferte vor 3 Jahren bereits eine Studie der Phase 2; hier wird nun von der selben Arbeitsgruppe das Ergebnis einer Phase-3-Studie berichtet.

Design

Randomisierte, doppel-blinde, multizentrische, Placebo-kontrollierte Studie der Phase 3. 41 Patienten erhielten intravenöse Infusionen mit erstmalig 10 mg Teprotumumab pro kg  und anschließend 20 mg/kg alle drei Wochen über einen Zeitraum von 21 Wochen. 42 Patienten erhielten Placebo. Die Analyse erfolgte in Woche 24 und hatte als primäres Studienziel eine Reduktion der Proptosis um mindestens 2 Millimeter.

Ergebnisse

  • Eine Reduktion der Proptosis um mindestens 2 Millimeter wurde bei 83 % der Patienten unter Teprotumumab erreicht; unter Placebo waren es 10 % (P
  • Teprotumumab war bei allen sekundären Studienzielen statistisch hochsignifikant (P ≤ 0,001) besser als Placebo:
    • Gesamtansprechen: 78 % versus 7 %
    • Clinical Activity Score von 0 oder 1: 59 % versus 21 %
    • Durchschnittliche Veränderung der Proptosis: - 2,82 Millimeter versus – 0,54 Millimeter
    • Verbesserung der Diplopie: 68 % versus 29 %
    • Mittlere Veränderung der spezifischen Lebensqualitätsskala GO-QUOL (Graves´ophthalmopathy-specific quality-of-life): 13,79 versus 4,43 Punkte.
  • Die meisten Nebenwirkungen waren mild oder moderat. Allerdings kam es unter Teprotumumab zu zwei schweren Nebenwirkungen, von denen eine zum Behandlungsabbruch führte (nicht-anaphylaktische Reaktion während der Infusion).

Bedeutung

Die Daten belegen eindeutig die Wirksamkeit von Teprotumumab in dieser Indikation, erstrecken sich allerdings nur über 24 Wochen. Dies soll nach Angaben der Autoren durch die fortgesetzte Datenerhebung behoben werden. Außerdem verweisen sie auf ihre Phase 2-Studie, wo der Nutzen für die meisten Patienten unter Teprotumumab für bis zu 48 Wochen nachgewiesen wurde. Der Hersteller und Sponsor dieser Studie hat kürzlich die Zulassung in den USA erhalten.

Finanzierung: Horizon Therapeutics.