Ex-Kampfschwimmer auch nach Trauma und TAVI noch „fit wie in alten Zeiten"

  • Z Gerontol Geriat

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Fall der Woche
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Kernbotschaften

In der wissenschaftlichen Literatur finden sich viele Untersuchungen zum sportlichen Training im hohen Alter und dessen positiver gesundheitlicher Effekte. Und dass auch alte Menschen erstaunliche sportliche Leistungen vollbringen können, etwa einen Marathonlauf absolvieren oder den Mount Everest besteigen, ist schon mehrfach berichtet worden. Doch auch vor diesem Hintergrund ist die Geschichte eines  81-jährigen Patienten mit einem kardialen „Problem“, die Ärzte des Bonifatius Hospitals in Lingen und der dortigen Gesundheitszentrums Medicus Wesken schildern.

Der Patient und seine Geschichte

Der zum Zeitpunkt der Behandlung vor zwei Jahren 81-jährige Patient berichtete, dass er bereits als Kind seinen Altersgenossen deutlich überlegen war. Schon während seiner physisch sehr anspruchsvollen beruflichen Tätigkeit als Marinetaucher und Kampfschwimmer wurde, wie die Autoren berichten, immer wieder festgestellt, dass er aufgrund eines „Herzgeräusches“ „nicht komplett (herz)gesund“ sei, aber man nicht recht wisse, woran genau er leide. Eine exakte Diagnose während seiner Bundeswehr-Zeit wurde nie gestellt. Bis zu seiner Pensionierung im Alter von 65 Jahren habe er als Beamter im Wetterdienst in Höhenlagen über 1500 m gearbeitet und dort täglich über 10.000 m Lauftraining absolviert und nebenher etwa 200 Liegestütze vollführt.

Die Diagnose einer Aortenstenose habe erst 2004 ein niedergelassener Kardiologe gestellt. 

Eine Spiroergometrie wurde den Autoren zufolge 2010 durchgeführt, bei der der Patient mit einem Sauerstoffverbrauchspeak (V ̇O 2 -Peak) von 26,5 ml/ kgKG und Minute noch einen Wert erreichte, der bei 130% des Sollwerts lag. Die Dauerleistungsgrenze habe zu diesem Zeitpunkt 100 Watt betrage

Wenige Monate nach einem Trauma sei die Aortenstenose dann im Dezember 2018 als schwergradig eingestuft worden (maximaler Druckgradient 78 mmHg, durchschnittlicher Druckgradient 52 mmHg, Ejektionsfraktion 68%). Der zuletzt im Juni 2019 dokumentierte V ̇O2-Peak von 90 Prozent des Sollwerts der Vergleichsgruppe habe zwar deutlich unter den 2010 erreichten Werten gelegen, aber immer noch oberhalb der 85-Prozent-Grenze und damit im Normbereich. 

Die weiteren Diagnosen zum Zeitpunkt des letzten Klinikaufenthaltes im September 2019 waren: eine paroxysmale Arrhythmia absoluta bei Vorhofflimmern unter oraler Antikoagulation, Bluthochdruck sowie eine chronische Niereninsuffizienz Stadium I. Im November 2019 wurde dann kathetergestützt eine neuen Aortenklappe implantiert. Der Eingriff sei komplikationslos verlaufen, berichten die Autoren. Der Patient fühle sich nach eigenen wieder „fit, wie in alten Zeiten“. 

Diskussion

Der hier vorgestellte außergewöhnliche Fall zeigt nach Angaben der Autoren, zu welchen sportlichen Leistungen alte Menschen imstande sind, wenn sie in den vorangegangenen Lebensjahren regelmäßiges Ausdauertraining durchführten. Gleichzeitig stelle dieser Fall jedoch aufgrund einer Aortenklappenstenose eine besondere Ausnahme dar. Wie durch die Spiroergometrie nachgewiesen, habe der Patient sich durch sein jahrelanges kombiniertes Kraft- und Ausdauertraining „eine hervorragende physiologische Ausgangsposition erarbeitet“, sodass sowohl ein schweres Trauma (Sommer 2018) als auch die Klappenimplantation „ohne Komplikationen und mit kurzer Rekonvaleszenz überstanden wurden.“ Im Umkehrschluss könne man sagen, „dass ein Patient mit einer Aortenklappenstenose, der nicht trainingsbedingt konditioniert gewesen wäre, mit zunehmender Schwere der Stenose sowohl zum Zeitpunkt des Polytraumas als auch zum Zeitpunkt des kardiologischen Eingriffs sowohl funktionell-klinisch als auch mit Spiroergometriedaten deutlich unterhalb der Normgrenze aufgefallen wäre“. Dies bedeute jedoch nicht, dass durch körperliches Training die Progredienz einer Aortenklappenstenose aufgehalten werden könne, sondern nur,, dass der Patient die Verschlechterung von einem höheren Ausgangsniveau seiner physiologischen Leistungsfähigkeit erlebt habe als sonst üblich.