Evidenzbasierte Medizin: Test mit Klinikärzten offenbart Weiterbildungsbedarf

  • Dtsch Med Wochenschr

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Das Wissen in der Ärzteschaft zu den klassischen Methoden der evidenzbasierten Medizin (EbM) ist vermutlich geringer als erwartet, sodass zielgerichtete Weiterbildungsmaßnahmen zu empfehlen sind.

Hintergrund 

Laut Sozialgesetzbuch (u. a. § 137f SGB V) hat die Patientenversorgung nach den Grundsätzen der evidenzbasierten Medizin zu erfolgen. Seit einiger Zeit wird daher über eventuelle Pflicht- Weiterbildungesmaßnahmen zu Inhalten der evidenzbasierten Medizin (EbM) diskutiert, etwa für Ärztinnen und Ärzte auf dem Weg zum Facharzt-Status. Damit stellt sich auch die Frage, wie es derzeit um das Wissen der klinisch tätigen Ärztinnen und Ärzten dazu steht.

Design

Im Februar 2017 wurde an vier Kliniken der Universität Witten/Herdecke ein anonymer Survey (Papier-Fragebogen) durchgeführt. Dieser Fragebogen enthielt 12 ausformulierte Aussagen zu „klassischen“ Methoden der EbM und klinischen Epidemiologie (Interpretation und Anwendung von z. B. negativem Vorhersagewert, p-Wert oder relativem Risiko) sowie zu „neueren“ Methoden (Interpretation von Forest-Plots und Bias-Arten). Sämtliche Aussagen waren eindeutig mit „richtig“ oder „falsch“ zu bewerten. Es nahmen 30 Fachärzte und 36 Assistenzärzte sowie vier Ärzte ohne Angaben zum  Weiterbildungsstatus teil. Primärer Endpunkt war der individuelle Anteil korrekter Antworten unter den gegebenen Antworten. 

Hauptergebnisse

  • Es konnten 70 Fragebögen ausgewertet werden (15–19 pro Klinik).
  • Der mediane Anteil korrekter Antworten lag bei 47 % (95 %-KI 40 - 50). 
  • Der Anteil korrekter Antworten (unter den gegebenen) lag bei den Fachärzten (30 Fragebögen) bei 42 Prozent (95 %-KI 36 - 50) und bei den Assistenzärzten (36 Fragebögen) bei 50 Prozent (95 %-KI 38 - 50 %).
  • Die Befragten waren hinreichend vertraut mit klassischen Methoden der klinischen Epidemiologie, jedoch nur eingeschränkt vertraut mit den neueren Methoden.

Klinische Bedeutung

Dem klinisch tätigen Personal an Universitätskliniken könne eine gewisse Vertrautheit mit gängigen Methoden der klinischen Forschung unterstellt werden, schreiben die Autoren. Der Anteil korrekter Antworten lag jedoch unter 50 %; erwartet wurde ein Anteil von 80 Prozent.  Es bestehe demzufolge ein Bedarf an zielgerichteten Angeboten zur Weiterqualifikation für klinisch tätige Ärzte in Methoden der evidenzbasierten Medizin, schlussfolgern die Autoren. Unklar bleibe der optimale Zeitpunkt. Zu den Limitierungen der Studie zählt die relativ kleine Zahl der befragten Ärzte aus insgesamt nur vier Kliniken. Zu den Limitierungen zählt außerdem die Beschränkung auf klinisch tätige Ärzte, so dass offen bleibt, wie es um das EbM-Wissen ambulant tätiger Ärzte steht.

Finanzierung: keine Angaben