Europäische Empfehlungen zu Covid-19 bei Menschen mit HIV


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
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Mehrere europäische Fachgesellschaften – darunter die Deutsche AIDS-Gesellschaft und die europäische HIV-Gesellschaft – haben eine aktualisierte gemeinsame Stellungnahme zur Situation von HIV-Positiven im Bezug auf die Covid-19-Pandemie herausgegeben. Die wichtigsten Punkte:

Kein erhöhtes Risiko für HIV-positive unter ART

Bereits zu einem recht frühen Zeitpunkt der Covid-19-Pandemie gingen die europäischen Fachgesellschaften davon aus, dass Menschen mit HIV, die unter einer effektiven antiretroviralen Therapie (ART) stehen, kein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit SARS-CoV2 beziehungsweise für einen schweren Verlauf von Covid-19 haben. Kohortendaten aus China, Deutschland, Italien, Spanien und den USA bestätigen diese Einschätzung.

Eine unbehandelte HIV-Infektion und eine CD4-Zellzahl

Komorbiditäten, die einen schweren Verlauf begünstigen, müssen behandelt werden

HIV-Patienten werden heute immer älter – mehr als die Hälfte der Menschen mit HIV in Europa sind älter als 50 Jahre. Zudem treten einige Vorerkrankungen, die einen schweren Verlauf begünstigen – etwa Herzkreislauf-Erkrankungen und chronische Lungenerkrankungen –, in dieser Gruppe häufiger auf. Dazu kommen weitere Risikofaktoren, wie männliches Geschlecht, Bluthochdruck, Adipositas oder Diabetes, die HIV-Patienten ebenso betreffen wie die Allgemeinbevölkerung. Diese Faktoren müssen dringend berücksichtigt und Vorerkrankungen optimal behandelt werden. Außerdem empfehlen die Fachgesellschaften für Menschen mit HIV den Verzicht auf Zigarettenkonsum sowie Impfungen gegen Pneumokokken und Influenza.

HIV-Medikamente und SARS-CoV2

Zu Beginn der Covid-19-Pandemie gab es Berichte, die hoffen ließen, dass bestimmte HIV-Medikamente auch gegenüber SARS-CoV2 wirksam sein könnten. Dies hat sich für HIV-Proteasehemmer nicht bestätigt. Abschließende Ergebnisse zu Studien mit Maravidoc, dem CCR5-Antikörper Leronlimab sowie zu Tenofovir (TDF) beziehungsweise Tenofovir/Emtricitabin (TDF/FTC) zusammen mit niedrig dosiertem Hydroxychloroquin stehen noch aus. Derzeit wird jedoch davon abgeraten eine laufende ART wegen Covid19 umzustellen.

Rückgang der Versorgung HIV-Infizierter

Im Zusammenhang mit der Covid-19 Pandemie kommt es sowohl global als auch im europäischen Raum zu Einschränkungen bei der Versorgung von HIV-Patienten. Deutschland ist davon bislang nicht betroffen.