Europäische Beobachtungsstudie deutet auf niedrigere Darmkrebsinzidenzen dank Screeningprogrammen

  • Michael Simm
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Eine europaweite Beobachtungsstudie mit den Daten von mehr als 3 Millionen Patienten zeigt in erster Näherung einen größeren Rückgang bei der Inzidenz kolorektaler Karzinome in Ländern, die früh ein allgemeines Darmkrebsscreening eingeführt haben.

Hintergrund

Die Akzeptanz von Früherkennungsprogrammen gegen den Darmkrebs variiert zwischen den Ländern Europas erheblich.

Design

Vergleich der Inzidenz, Stadienverteilung, Lokalisation und Mortalität durch kolorektale Karzinome, in Relation zur Einführung eines Darmkrebs-Screenings anhand der Daten aus 21 Ländern zu 3,1 Millionen Patienten, die seit 2000 diagnostiziert wurden.

Ergebnisse

  • In Ländern mit lange etablierten Programmen einschließlich Koloskopien und Stuhltests wie Deutschland, Österreich und Tschechien hat sich die Darmkrebsinzidenz bei Männern um jährlich 1,6 bis 2,5 % verringert, und bei Frauen um 1,3 bis 2,4 %.
  • In Ländern, wo Screeningprogramme zwischen den 2000 und 2016 eingeführt wurden, blieb die alterstandardisierte Inzidenz an kolorektalen Karzinomen entweder stabil, oder sie wuchs bis zu dem Jahr, in dem die Screening-Maßnahmen eingeführt wurden. Die Veränderungen lagen bei Männern zwischen – 0,2 und 1,5 %, bei Frauen zwischen – 0,5 und 1,2 %.
  • Dort, wo die Abdeckung und die Annahme der Screening-Maßnahmen schnell wuchs – wie etwa in Dänemark, den Niederlanden und Slowenien – erhöhten sich die altersstandardisierten Inzidenzraten anfänglich, um dann abzunehmen.
  • In Ländern wie Bulgarien, Estland, Norwegen und der Ukraine, wo es keine groß angelegten Screening-Programme gab, lag der annualisierte Zuwachs der Inzidenz für Männer bei 0,3 – 1,9 %, für Frauen bei 0,6 – 1,1 %.
  • Die größte Abnahme der Darmkrebsinzidenz fand man in Ländern mit den am längsten etablierten Screening-Programmen.

Klinische Bedeutung

In dieser Beobachtungsstudie fand der europaweit sehr unterschiedliche Umgang mit der Darmkrebsfrüherkennung offensichtlich seinen Niederschlag in Veränderungen bei der Inzidenz kolorektaler Karzinome. In der Mortalität spiegelte sich dies allerdings nicht wider, und dies ist auch erst mit langer Verzögerung zu erwarten. In einem begleitenden Kommentar verweisen die Onkologen Ismail Gogenur und Camilla Qvortrup (Kopenhagen) darauf, dass der Europäische Rat als Gremium der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union bereits im Jahr 2003 empfohlen hat, das Screening für alle Bürger zwischen 50 und 74 Jahren einzuführen. Flächendeckend ist dies bis heute nicht geschehen.

Finanzierung: Deutsche Krebshilfe, Bundesministerium für Bildung und Forschung.