EU erteilt Zulassungsempfehlung für Belantamab bei rezidiviertem und refraktärem multiplem Myelom


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Als erstes Medikament in seiner Klasse erhielt Belantamab-Mafodotin (Blenrep, GlaxoSmithKline) eine Empfehlung für die bedingte Zulassung in der Europäischen Union (EU) zur Behandlung eines rezidivierten und refraktären multiplen Myeloms bei Patienten, die bereits andere Therapien ausprobiert haben.

Das Produkt wurde in das PRIME-Programm der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) für Medikamente aufgenommen, die einen potenziell ungedeckten medizinischen Bedarf decken könnten.

Belantamab-Mafodotin wurde vor Kurzem auch in den USA zur Zulassung empfohlen, nachdem ein Beratungsausschuss der Food and Drug Administration (FDA) 12 zu 0 zugunsten des Nutzen des Medikaments gegenüber seinen Risiken in dieser Patientengruppe gestimmt hatte.

Ausdrücklich sollten diese Patienten mit einem refraktären oder rezidivierten multiplen Myelom jedoch bereits eine Behandlung mit einem Medikament der drei Hauptwirkstoffklassen versucht haben, nämlich einem immunmodulatorischen Wirkstoff, einem Proteasom-Inhibitor und einem monoklonalen Anti-CD-38-Antikörper.

Für Patienten, die auf diese Medikamente nicht mehr ansprechen, seien die Aussichten trübe, so die EMA. Es bestehe ein ungedeckter medizinischer Bedarf für neue Behandlungen, die das Überleben dieser Patienten über die aktuell beobachteten drei Monate hinaus verbessern.

Belantamab-Mafodotin weist einen neuartigen Wirkmechanismus auf: Es zielt auf das B-Zell-Reifungsantigen (BCMA) ab. Dieses Protein ist auf der Oberfläche von nahezu allen Zellen eines multiplen Myeloms, nicht aber auf normalen B-Zellen vorhanden, so dass es „ein ideales Ziel für Medikamente“ abgebe, so die Agentur.

Das Produkt ist ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat, das einen monoklonalen Antikörper gegen BCMA mit dem zytotoxischen Wirkstoff Maleimidcaproyl-Monomethylauristatin F (mcMMAF) kombiniert. Es richtet sich gezielt gegen BCMA auf der Oberfläche von Myelomzellen. Sobald es sich in der Myelomzelle befindet, wird der zytotoxische Wirkstoff freigesetzt, der zur Apoptose, dem „programmierten“ Tod, der kanzerösen Plasmazellen führt.

Ergebnisse einer offenen Studie

Die Empfehlung für die bedingte Marktzulassung wurde vom Ausschuss für Humanarzneimittel (Committee for Medicinal Products for Human Use, CHMP) der EMA auf der Grundlage einer offenen, randomisierten, zweiarmigen Studie der Phase II, DREAMM-2, erteilt.

Die Studie untersuchte die Wirksamkeit und Sicherheit von zwei Dosen Belantamab-Mafodotin bei Patienten mit multiplem Myelom, bei denen die Erkrankung nach drei oder mehr Therapielinien nach wie vor aktiv war und die nicht mehr auf die Behandlung mit immunmodulatorischen Wirkstoffen, Proteasom-Inhibitoren und einem monoklonalen Anti-CD38-Antikörper ansprachen.

Die Sechs-Monats-Ergebnisse wurden im Dezember in The Lancet Oncology veröffentlicht. Die Gesamtansprechrate betrug in der Kohorte, die eine 2,5 mg/kg-Dosis des Wirkstoffs erhielt, 31 %. 30 von 97 Patienten erzielten Ergebnisse, die den positiven Schwellenwert der Studie erfüllten.

Weitere 99 Patienten der DREAMM-2-Studie erhielten eine Dosis von 3,4 mg/kg, für die ein weniger günstiges Sicherheitsprofil festgestellt worden war.

Die EMA hat weitere klinische Daten angefordert, einschließlich der Endergebnisse aus der Phase-II-Studie, sowie die Ergebnisse einer Phase-III-Bestätigungsstudie zum Vergleich von Belantamab-Mafodotin mit Pomalidomid plus niedrigdosiertem Dexamethason (eine Standardbehandlungsoption bei rezidivierendem und refraktärem multiplem Myelom).

Okulotoxizität

Eine der häufigsten Nebenwirkungen des neuen Wirkstoffs bei den Teilnehmern der klinischen Studie war eine Keratopathie der Hornhaut im Auge. Diese Okulotoxizität wurde bei beiden Medikamentendosierungen beobachtet.

Die EMA merkte an, dass bei Anwendern des Medikaments spezielle Augenuntersuchungen stattfinden müssen, damit alle Befunde zeitnah und angemessen behandelt werden können. Wie bei allen Medikamenten wird ein Risikomanagementplan (RMP) eine strenge Überwachung der Sicherheit des Medikaments gewährleisten, sobald es in der EU zugelassen ist, fügte die EMA hinzu.

Bei der Besprechung des Beratungsausschusses der FDA wurde festgestellt, dass bei 44 % der Patienten in der Gruppe, die eine Dosis von 2,5 mg/kg erhielten, mindestens eine Episode einer schweren Keratopathie auftrat. Die FDA wies darauf hin, dass die Nebenwirkungen in den Augen bei manchen Patienten einen starken Visusverlust zur Folge hatten, der die Patienten im Alltag, z. B. beim Autofahren und Lesen, beeinträchtigte.

Der Hersteller schlug in den Vereinigten Staaten eine Strategie zur Bewertung und Reduzierung des Risikos (risk evaluation and mitigation strategy, REMS) zur Erkennung und Behandlung von potenziell mit Belantamab auftretenden Komplikationen vor. Diese umfasst Empfehlungen für Augenuntersuchungen, einschließlich der Beurteilung der bestkorrigierten Sehschärfe, vor jedem Behandlungszyklus und umgehend für Patienten mit sich verschlechternden Symptomen.

Eines der Mitglieder des Beratungsausschusses der FDA, Gita Thanarajasingam, MD, Assistenzprofessorin für Medizin an der Mayo Clinic in Rochester, Minnesota, sagte, Belantamab schien mit Ausnahme der Okulotoxizität gut verträglich zu sein. Ärzte müssten wissen, wie gravierend dieses Risiko für Patienten sein könnte, andererseits aber auch bedenken, dass Belantamab trotzdem für einige Patienten verträglicher sein könnte als die aktuellen Behandlungen, sagte sie.

„Es ist vernünftig, die Möglichkeit für eine Entscheidungsfindung offen zu halten. Die Patienten können ihre Werte und Präferenzen zum Ausdruck bringen“, sagte Thanarajasingam. „Es liegen angemessene, wenn auch nicht vollständige Informationen vor, die dieser Risiko-Nutzen-Diskussion im Rahmen eines REMS-Programms zugrunde gelegt werden können.“

Heidi D. Klepin, MD, eine Professorin an der Wake Forest University Health Sciences, Winston Salem, North Carolina, stimmte zu, dass es der Prozess zum Erhalt der Einwilligung den Patienten ermöglichen sollte, bei einer potentiellen Behandlung mit Belantamab selbst „zu entscheiden, ob sie das Risiko in Kauf nehmen möchten“.

Der Artikel wurde ursprünglich auf Medscape.com veröffentlicht..