Ethische Konflikte im hausärztlichen Alltag häufig


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Ethische Konflikte sind im hausärztlichen Alltag häufig. Ein Drittel von über 400 befragten Hausärzte wünschte eine ambulante Ethikberatung; ein Drittel war unsicher; ein Drittel wünschte keine Ethikberatung. Bevorzugt wurden telefonische Beratungen.

Hintergrund

Ärzte stehen immer wieder vor Entscheidungen, die ethisch schwierig sind. Dies betrifft Ärzte in Kliniken wie auch im ambulanten Bereich, etwa im hausärztlichen Bereich. In vielen Krankenhäusern gibt es eine Beratung durch klinische Ethikkomitees; vergleichbare Angebote im ambulanten Bereich sind eher selten. Da es hierzu an Informationen mangelt, haben Allgemeinmediziner der Universitäten Göttingen und Würzburg Hausärzte  über Erfahrungen mit ethischen Konflikten sowie Wünsche an eine ambulante Ethikberatung befragt. 

Design

An der schriftlichen Befragung nahmen 456 Ärzte (Zufallsstichprobe) teil. 63,1 % waren Ärzte, 36,9 % Ärztinnen,; das Durchschnittsalter betrug 54 Jahre.

Hauptergebnisse

Vo allem der Konflikt „Absetzen von Arzneien bei mittlerweile fraglichem Nutzen für den Patienten“ ist der Umfrage zufolge häufig. 80 % der Hausärzte gaben an, mindestens einmal im Vierteljahr damit konfrontiert zu sein.

Ebenfalls mindestens einmal im Quartal waren 68 Prozent der Befragten mit dem Konflikt  „Fortsetzung einer potenziell kurativen Therapie, die schlecht vertragen wird“  konfrontiert.  Häufig angegeben wurde auch der Konflikt  „Sinnhaftigkeit diagnostischer Maßnahmen zur Früherkennung bei bereits schwerkranken Patienten“ (62 %) 

Etwa 30 %  der befragten Ärzte und Ärztinnen wünschten sich eine ambulante Ethikberatung, besonders häufig  eine telefonische Beratung. 

Die Mehrheit der Befragten sprach sich für Hausärzte und Ärzte im Allgemeinen als Ethikberater aus.

Klinische Bedeutung

Das Absetzen einer Therapie bei mittlerweile fraglichem Nutzen ist offenbar ein zentraler ethischer Konflikt im Berufsalltag von Hausärzten. Er besitzt dort nach Einschätzung der Autoren „angesichts einer gewachsenen Arzt-Patienten-Beziehung möglicherweise ein höheres Konfliktpotenzial als im Krankenhaus“.  Denn von Hausärzten werde gefordert, Medikamente möglichst zurückhaltend einzusetzen. Zugleich sollten und möchten sie vermeiden, „Patienten potenziell wirksame Medikamente vorzuenthalten und durch Absetzen von Medikamenten – und sei es in seltensten Fällen – dem Patienten zu schaden“.  Es gibt demnach gute Gründe für eine Ethikberatung auch in der ambulanten Versorgung. Bereits 2008 hat der Deutsche Ärztetag dafür plädiert. Die vorliegende Studie spricht nun nicht eindeutig dafür, dass eine ambulante Ethikberatung etabliert werden sollte. Nur ein Drittel der befragten Hausärzte äußerte den Wunsch nach einer ambulanten Ethikberatung. Niederschwellige Angebote, zum Beispiel eine telefonische Beratung, könnte nach Einschätzung der Autoren die ambulante Ethikberatung jedoch auch für Hausärzte attraktiver machen, „zumal über die Hälfte der Befragten Ethikberatung als durchaus sinnvoll ansah“. 

Finanzierung: keine Angaben